Fandom – Ein Wörterbuch

Text by Eleonore.

Ships, Canon, OTP. Diese Begriffe haben mittlerweile ihren festen Platz in täglicher Online-Kommunikation gefunden. Nicht selten ist jedoch die Verwirrung groß im Angesicht all dieser obskuren Wörter und Akronyme, die wenig Sinn ergeben wollen. Wie so oft führt diese Verwirrung zu Unverständnis und Vorurteilen auf beiden Seiten und infolgedessen bleibt die Verständigung zwischen Fans und Nicht-Fans oftmals auf der Strecke.

Um also ein wenig Licht in das Sprach-Dunkel zu bringen, haben wir das allererste „Fandom-Deutsch“-Wörterbuch erstellt, das die Kommunikation zwischen Nicht-Fans und Fans in Zukunft hoffentlich ein wenig verbessert und Fan-Neulingen den Start in die Welt der Fandoms erleichtert.

Fandom /ˈfæn.dəm/ nomen, n

Nicht jeder, der ein Fan ist, ist auch Teil des Fandoms. Aber jeder, der Teil des Fandoms ist, ist auch ein Fan. Harry-Potter-Darsteller Daniel Radcliffe verglich Fandoms einst (sehr treffend) mit der Mafia: Ist man einmal drin, kommt man nie wieder raus.

Fangirl /ˈfæn.gɜːl/ nomen, n/f

Das Fangirl hebt sich äußerlich fast gar nicht von verwandten Spezies ab, kann sich aber durch besondere Kleidung, Schmuck oder sonstige Accessoires als Fangirl zu erkennen geben. Grundsätzlich recht verhaltensunauffällig bis schüchtern, kann das Fangirl schnell nahezu manische Züge bekommen, wenn man in ihrer Gegenwart ihre →Fandoms, Lieblingscharaktere und/oder Lieblingsschauspieler erwähnt. Mit plötzlichen Tränenausbrüchen ist zu rechnen. Im Umgang mit Fangirls sollte man tunlichst vermeiden, die Tode von fiktionalen Charakteren aus ihren →Fandoms zu erwähnen, ihre →Ships zu kritisieren oder ihre Obsession mit Büchern und/oder Filmen und/oder TV-Serien zu belächeln. Fangirls in größeren Schwärmen sollten unter allen Umständen vermieden werden.

Fanboy /ˈfæn.bɔɪ/ nomen, m

Das deutlich seltener vorkommende Männchen ist ebenfalls generell verhaltensunauffällig. Eine Verwechslung mit dem verwandten Nerd ist allerdings nicht auszuschließen. Über die sonstige Pflege und Haltung von Fanboys ist wenig bekannt, da sie sich nur selten zu erkennen geben und Studien somit bisher eher erfolglos blieben.

Canon /ˈkæn.ən/ nomen, m

Das, was der Autor geschrieben hat.

Headcanon /ˈhed.kæn.ən/ nomen, m

Das, was ein Fan als Theorie entwickelt hat und dem →Canon nicht widerspricht.

Fanon /ˈfæn.ən/ nomen, m

Das, was vom →Fandom dazugedichtet wurde.

Beispiel aus dem Sherlock-Fandom: Obwohl seine Existenz in der BBC-Serie nie belegt wird, gilt Moriartys Handlanger Colonel Sebastian Moran im Fandom durchaus als etabliert – und wird immer dargestellt von Michael Fassbender.

Fanart /ˈfæn.ɑːt/ nomen, f

Das, was entsteht, wenn zeichnerisch begabte Fans ihre Kreativität ausleben.

Fanfiction /ˈfæn.fɪk.ʃən/ nomen, f

Das, was entsteht, wenn Fans unzufrieden sind mit dem →Canon oder einfach eine Idee für eine eigene Handlung haben. Entgegen vieler Vorurteile gibt es tatsächlich auch (sehr) gute Fanfiction.

Beispiel: Jeder weiß, dass „50 Shades Of Grey” eine Erotika-Fanfiction zu „Twilight“ ist. Aber Fanfiction gibt es schon viele hundert Jahre länger: Dantes „Göttliche Komödie“ ist z.B. eine Fanfiction der katholischen Lehrsätze, Seth Grahame-Smiths „Pride and Prejudice and Zombies“ ist eine Horror-Fanfiction zu Jane Austens Klassiker, und mit Disneys „König der Löwen“ hat eigentlich jeder zumindest schon einmal eine Fanfiction von Shakespeares „Hamlet“ gesehen.

FF /ˈɛf.ɛf/ nomen

Unter Fanfiction.net, gerne als FF abgekürzt, findet man eine Menge solcher →Fanfiction. Was davon aber als qualitativ hochwertig zählt, hängt ganz von den eigenen Standards ab.

AO3 /ˌɛɪ.əʊ.ˈθriː/ nomen

Deutlich weniger jugendfrei und expliziter kommt archiveofourown.org daher: Was in einigen Ländern bereits schon längst zensiert wird und jedem halbwegs normalen Menschen die Schamesröte ins Gesicht treibt, gilt auf AO3 gerade mal als Vorspiel.

Pairing /ˈpɛə.rɪŋ/ nomen, n

I.d.R. durch „/“ gekennzeichnet (z.B. „John/Sherlock“) bezeichnet der Begriff einfach, dass zwei Charaktere oder Personen in einem gegebenen Kontext (z.B. in →Canon oder →Fanfiction) miteinander romantisch oder erotisch involviert sind. Nicht zu verwechseln mit dem →Ship – denn hier wird’s persönlich.

Ship1 /ʃɪp/ nomen, n

(von engl. relationship).
Jemand beschrieb es mal als „in einer Beziehung mit einer Beziehung zu sein“. Wer also mit Leib und Seele zwei Personen oder Charaktere in einer (romantischen) Beziehung sieht oder sehen will, der shippt sie – meist ungeachtet dessen, was im →Canon mit den beiden tatsächlich passiert (denn seien wir ehrlich: Die zwei Personen, die augenscheinlich am besten zusammenpassen, kommen doch nie zusammen …). Zur besseren Kennzeichnung und Abhebung von einem gewöhnlichen →Pairing wird aus den Namen der beiden ein Shipname gebildet (z.B. John/Sherlock = Johnlock).

Nicht selten jedoch kommt es vor, dass ein Fandom sich in zwei Hälften teilt, weil die eine Hälfte Person X mit Person Y shippt und die andere Hälfte Person X mit Person Z. Dann kommt es zum sogenannten Shipping-War und es fließt Blut. Viel Blut.

Beispiel aus dem Avatar-Fandom: Zutara vs Kataang (und wen shippt ihr so?)

ship2 /ʃɪp/ verb, transitiv

Mit dem Ausdruck „I ship it“ wird verkündet, dass man zwischen diesen beiden Personen eine gewisse Chemie feststellt und der Ansicht ist, dass sie ein gutes Pärchen abgeben, z.B. „I ship Johnlock“.

Crackship /kræk.ʃɪp/ nomen, n

Ein →Ship, das man definitiv nicht ernst meint.

Beispiel aus dem Harry-Potter-Fandom: Dobby/Der Sprechende Hut.

OTP /ˈəʊ.tiː.ˌpiː/ nomen, n

Viele Fans glauben, dass sich hinter diesem Akronym die Bezeichnung „One True Pairing“ versteckt, der besondere Ehrentitel, der nur einem einzigen →Ship verliehen wird. Was die wenigsten jedoch wissen ist, dass OTP eigentlich für „Oh The Pain“ steht, eben jenen Schmerz, den viele Fans erleiden, weil ihr OTP niemals →Canon werden wird, z.B. weil einer der beiden bereits tot ist.

BrOTP /ˈbrəʊ.tiː.ˌpiː/ nomen, n

Mit diesem Begriff wird bezeichnet, was der Normalbürger noch als „BFF“ betitelt, ungeachtet der Tatsache, dass letzterer Begriff längst aus der Mode gekommen ist.

NOTP /ˈnəʊ.tiː.ˌpiː/ nomen, n

Die Umbridge unter den →Ships: Man möchte dieses →Pairing am liebsten tot sehen.

Slash /slæʃ/ nomen, m

Befinden sich zwei gleichgeschlechtliche Charaktere in einer romantischen Beziehung, dann nennt sich das ein Slash-→Pairing. Diese Bezeichnung gilt allerdings i.d.R. für zwei Personen männlichen Geschlechts (auch als m/m (= „male/male“) dargestellt).

Warnung: Mit „slash“ gekennzeichnete Fanmaterialien beinhalten mit 99%-iger Wahrscheinlichkeit pornografische Inhalte und sollten daher unter keinen Umständen am Arbeitsplatz geöffnet werden. Außer es guckt grad keiner …

Femslash /ˈfɛm.slæʃ/ nomen, m

Die weibliche Entsprechung zu →Slash wird oft als femslash oder f/f bezeichnet und thematisiert romantische Liebe zwischen zwei Frauen.

Yaoi /jaʊi/ nomen

Weil die Japaner einen eigenen Ausdruck für m/m-→Pairings brauchten.

Yuri /ˈjuː.ri/  nomen

Die Japaner waren auch so nett, direkt den passenden →Femslash-Ausdruck mitzuliefern.

AU /ɛɪ.ˈjuː/ nomen, n

Das Akronym steht für „Alternate Universe“. Ob die Handlung plötzlich in der Welt von Harry Potter spielt oder alle Charaktere in eine andere Zeit versetzt wurden – alles ist möglich und die einzigen Regeln, die gelten, sind die eigenen.

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2 Gedanken zu „Fandom – Ein Wörterbuch

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