In der Rechten Ecke – zu Besuch bei den rechten Verlagen auf der Leipziger Buchmesse 2018

Text by Niklas.

Die Leipziger Messe als offener Marktplatz möchte natürlich der ganzen Bandbreite der Buchbranche einen Platz bieten. SM-Sex & Koch-Schmonzetten mit Titeln wie „Hot and Spicy“ wagen sich ebenso ans Tageslicht wie die Öko-Satire „Harry Hanf & die Revolte der Pflanzen“ und, ach ja … Verlage jedweden politischen Spektrums.
So kommt man nicht umhin, auch Aluhüten, Stalinisten oder Neurechten eine Plattform einzuräumen. Letztere sorgten in den letzten Jahren regelmäßig für Tumulte, zuletzt beim großen Bruder in Frankfurt. Ob daran vielleicht manchmal auch die Platzierung schuld war? Direkt neben den linksgerichteten Verlagen war der Weg zum Gegner natürlich für beide Seiten kürzer.

Wir sind ein bisschen rechts, rebellisch … aber eigentlich nicht!

Also hatte sich die Leipziger Messe dieses Jahr ein besonderes Schmankerl ausgedacht: Die sogenannten rechten Verlage standen dieses Jahr ganz abseits und isoliert zwischen Fressbuden in Halle 3, „hinten rechts“. Ein hübsches Schachzügchen der Messeleitung, die sich so zumindest nicht vorwerfen lassen muss, ungenügend politisch Stellung zu beziehen. Nebenbei führte dieses Manöver zur Absage der Zeitschriften „Junge Freiheit“ und „Cato“, da man sich nicht „in die rechte Ecke stellen lassen“ wolle. Süß.
Überhaupt fällt auf, dass sich einige dieser Verlage bereits im Vorfeld der Messe vehement gegen diese Zuschreibung zu wehren suchten. Blöd, wenn man gleichzeitig ein Buch namens „Die Rückkehr der echten Rechten“ bewirbt, das mit einem geschniegelten Coverboy patriotischem Heroismus einen hippen Anstrich verpassen möchte. Ja, wie denn nun? Was soll denn die geneigte Kundschaft halten von ihrem Lieblingsverlag, der nicht mal zu seiner eigenen Philosophie stehen mag?
Aber schauen wir uns doch mal die Stände an. Das geht fix, denn dank der Absagen sind es nur drei dieses Jahr.

Schwarz, schwarz, schwarz … ist der Weltuntergang

Da wäre erstmal groß, protzig und mit viel schwarz das Compact Magazin. Wer es jüngst schaffte, schon Anzeigen in Leipziger Straßenbahnen zu schalten, hat es halt geschafft und möchte das zeigen. Die Standgestaltung insgesamt wirkt dennoch eher lieblos und erinnert frappierend an so manchen „mysteriös“ angehauchten Romance-Selbstverlag. Auf schmucklosen, schwarzen Wänden hängen ein paar Plakate, am Stand liegen verschiedene Ausgaben der Zeitschrift aus. Merkel in Burka, Merkel in Stasi-Uniform, Merkel mit Teufelshörnern – dazu reißerische Schlagzeilen, die vom Ende der Welt künden. Dieses lässt sich aber ganz schön lange Zeit, wenn man mehrere Jahre ein Monatsmagazin darüber veröffentlichen kann. Fast fragt man sich, was Compact ohne drohende Merkel-Apokalypse tun würde. Wenn alles rosabraun wäre und die AfD in Regierungsverantwortung, wird das Paradies dann ebenso farbenprächtig illustriert? Bernd Höcke als Prinzessin Lillifee?

Zombies mit Heiligenschein

Daneben, ein wenig bescheidener, stehen die Herren (generell eine sehr maskulin geprägte Verlagslandschaft in dieser Gegend) von Europa Terra Nostra. Dies ist eine Stiftung der europaweit agierenden AFP-Partei. Hier gibt man sich wenig Mühe, eine Abgrenzung vorzugaukeln. Kaum verhüllt wird der übliche Cocktail aus Verschwörungstheorien, Antisemitismus und Selbstbeweihräucherung präsentiert, zusammen mit bereits erwähntem Superhelden-Buch für besorgte Bürger. Wenn sie nicht so ein hübsches helles Layout hätten, könnte man fast meinen, dies sei der Haus- und Hof-Verlag der fast vergessenen NPD. Moment, ist er doch auch! Jaja Kinder, dieses Parteirelikt kennt ihr nicht mehr … aber ihre Anhänger streunen immer noch umher und geben sich jetzt als Europäer. Wenn’s um den Kulturkampf geht, sind die Reihen fest geschlossen. Obwohl man sonst eigentlich keinen von jenseits der Heimatgrenze leiden kann.

Hohe Literatur für den Rechtsaußen von Heute

Und schließlich noch der Antaios-Verlag, redaktionell verantwortlich für die „Sezession“. Nein, keine bayerischen Separatisten, sondern eine weitere Zeitschrift. Dort hat unter anderem der ehemalige Katzenkrimi-Autor Akif Pirinçci eine Bleibe gefunden. Trotz dessen exzessiver Affinität zur Gossensprache gilt das Blatt als „intellektuelles Sprachrohr“ der Neuen Rechten. Zumindest äußerlich tritt man schonmal etwas gelassener auf. Die präsentierten Buchcover könnten bisweilen leicht mit der Qualitätsware von Suhrkamp oder Aufbau verwechselt werden. Ideologisch orientiert sich der Antaios-Verlag aber dennoch klar im rechten Spektrum und positioniert sich vordergründig vor allem als Bremsanker. Kulturelle Avantgarde, Feminismus, die Philosophie der Aufklärung – alles irgendwie ein bisschen gut, bloß bitte keine eklige „Veränderung“. Hinter der konservativen Fassade kommen auf den zweiten Blick aber schnell mehrere Loblieder auf die Identitäre Bewegung, Germanentum und Querfront-Ideologien zum Vorschein. Antaios kokettiert mit der Mäßigung, würde gern mit Linken reden – doch abseits der bürgerlichen Maske bieten sie eine ungebrochene Fortsetzung der klassischen rechten Denkschule. Mit äußerst geringer Motivation, auch nur einen Jota von der eigenen Meinung abzuweichen.

Kein stilles Örtchen

Trotz abgelegener Platzierung und Polizeibewachung – um einen Tumult kommt die Leipziger Buchmesse auch 2018 nicht herum. Während der Vorstellung einer neuen Ausgabe der „Sezession“ schaffte es ein kleiner Protestzug, angeführt vom Aktionsbündnis #verlagegegenrechts, in die Nähe der Bühne. Glücklicherweise blieb es beim verbalen Schlagabtausch. In erster Linie lieferte der Protest wohl eher Gratis-PR für den rechten Intimfeind. Diese zelebrierten denn auch genüsslich im Nachgang ihre Opferrolle.

Der Umgang mit unangenehmen Gästen auf der Buchmesse bleibt also weiterhin problematisch. Allzu direkte Konfrontation spielt den rechten Verlagen eher in die Hände, gerade auf einem so politisch neutralen und friedlichen Event. Vollkommen unwidersprochen gewähren lassen mag man sie aber auch nicht. Vielleicht wäre eine (gut abgesicherte) Podiumsdiskussion mit Vertretern beider Lager wirklich ein Anfang, um allen Trotzköpfen ein wenig den Wind aus den Segeln zu nehmen. Kluges wie Dummes wird ja auf jeder Buchmesse reichlich verbreitet, da genügt schon der Besuch einer Esoterik-Lesung. Nutzen wir doch diese Atmosphäre der Offenheit – von der schalen Bürgerlichkeit jener rechten Verlage kann sich ein gebildeter Mensch auch selbst ein Bild machen. Und wo laufen schließlich mehr davon herum, als auf der Buchmesse?

 

 

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s