24. Kleinverlegertag

Text by Reni.

Am Mittwoch fand in der HTWK Leipzig der 24. Kleinverlegertag statt, organisiert vom Schwerpunkt Kommunikationsmanagement des Studiengangs Buchhandel-/Verlagswirtschaft. Das Thema dieses Jahr war „einDrucksvoll – Die Welt der schönen Bücher“ mit der Fragestellung, ob schöne Bücher in einer Zeit der Digitalisierung noch Bestand haben.

Jedes Jahr im November bietet der Schwerpunkt Kommunikationsmanagement in Zusammenarbeit mit der Interessengruppe unabhängiger Verlage des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels kleinen Verlagen eine Plattform, sich und ihr Programm vorzustellen und mit Studenten und anderen Interessenten ins Gespräch zu kommen. In diesem Jahr waren Dr. Edmund Jacoby (Verleger von Jacoby&Stuart), Friederike Jacob (neue Verlagsleiterin der Friedenauer Presse), Marlena Anders (Setzerin bei Drachenmond Verlag) und Katharina Hesse (Stiftung Buchkunst) zu Gast. Die Moderation übernahmen Anna Leiß und Klaudia Szabo, die derzeit in ihrem dritten Semester sind.

Frau Hesse startete die Veranstaltung mit einer Keynote als Einführung ins Thema und stellte die Problemstellungen der Verlage vor: Zählt nur noch der Inhalt von Büchern und ist das Medium unwichtig geworden? Die Realität ist, Buchdrucker und Typographen gehören einer aussterbenden Rasse an. Bücher müssen sachdienlich sein, zuerst funktional und dann erst schön. Sie sollen informieren, amüsieren, unterhalten. Doch hat nicht jeder Inhalt auch seine eigene Form verdient? „Gestaltung ist nicht nur, wie etwas aussieht“, sagte Frau Hesse, „sondern auch wie etwas funktioniert.“

Nach der Keynote stellten sich die drei Verlage vor, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Verlag Jacoby&Stuart wurde 2008 gegründet und hat sich auf drei Sparten spezialisiert: Kinder- und Jugendbuch, Graphic Novels (vor allem aus Frankreich) und Kochbücher. Bekannt ist der Verlag vor allem durch die Bücher von Benjamin Lacombe, von denen Anna immer wieder einige in ihrer Reihe „Das Kind in dir“ vorstellt.

Die Friedenauer Presse existiert seit 1963 und plant gerade unter Frau Jacob ihr Programm neu. Ihre Philosophie ist, schöne Bücher zu produzieren, die man gerne auch im Alltag nutzt, statt sie im Regal versauern zu lassen. Der Schwerpunkt des Programms liegt auf osteuropäischer und ostdeutscher Literatur.

Im Kontrast dazu steht der Drachenmond Verlag, der 1996 gegründet wurde. Dieser bewegt sich vor allem im Fantasygenre. Das Besondere am Verlag ist dessen Community, die sie sich durch eine enge Kundenbindung mit den Lesern durch Social Media Aktionen auszeichnet.

Alle drei Verlage stellen schöne Bücher her und sind doch unterschiedlich in ihrer Ästhetik. Und genau das ist die entscheidende Frage, die in der Diskussion auch wieder aufgenommen wurde. Was macht ein Buch schön? Ist es nur die Geschichte, die ein Buch ausmacht? Ist es die physische Gestaltung?
In einem waren sich die drei Verlage einig: Inhalt und Gestaltung müssen stimmig und harmonisch sein und ein Buch kann schnell unschön werden, wenn der Inhalt nicht überzeugt.

Daran schließt sich die Frage, ob Printbücher nicht mittlerweile zum Dekorationselement verkommen. Viele kennen das von ihren Eltern: Da steht der Brockhaus noch im Bücherregal, die Klassiker reihen sich wohlgeordnet aneinander. Gelesen hat man sie aber nicht. Dass Bücher als Deko genutzt werden, hat sich nicht geändert, doch werden sie in unserer Generation nicht mehr als Statussymbol genutzt. Eher spiegeln Bücherregale heutzutage die Persönlichkeit des jeweiligen Besitzers wider, die gerne ihre Lieblingsbücher zur Schau stellen.

Am Ende des Tages blieb die Frage offen, ob schöne Bücher das Zeitalter der Digitalisierung überleben werden. Doch solange es noch Käufer und Leser dafür gibt, solange werden die Verlage sie weiter produzieren.

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