Hungriges Monster sucht Zuhause …

Text by Eleonore & Reni.

Seit ein paar Wochen sind wir Adoptiveltern von Monstern – und nicht nur irgendwelchen. Nein, wir haben Wordcount-Monster adoptiert. Was? Ihr wisst nicht, was Wordcount-Monster sind? Dann wird es höchste Zeit!
Wir haben Hannah (aka Nion) von Monstermotivation ein paar Fragen für euch gestellt, die mit ihrer Schwester Vera von Detaildesign gemeinsam Monster vermittelt.

1. Wie bist du auf die Idee mit den Monstern gekommen?
Chris Baty, der uns Schreibern den NaNoWriMo (National Novel Writing Month) gebracht hat, schrieb einst: „Whenever you delete a sentence from your NaNoWriMo novel, a NaNoWriMo angel loses its wings.“ Aus dieser Idee sind schon vor langer Zeit die Wordcount-Engel entstanden. Sie waren nicht meine Erfindung und ich bin sogar relativ spät mit ihnen in Kontakt gekommen. Sie wuselten bereits seit ein paar Jahren jeden November durch mein damaliges Schreibforum, die Schreibwerkstatt. Erst im November 2015, als ich die Betreuung des „Bestiariums“ übernommen habe, habe ich mich näher mit ihnen befasst – und mich in die Idee verliebt. Mein Wordcount-Engel Midnight hatte quasi nur eine Charakterbeschreibung, mehr nicht. Obwohl er nur eine Idee war, hat Midnight mich unheimlich animiert, in jenem November wirklich täglich zu schreiben. Ich versuche seit 2010, mich auch ohne NaNoWriMo zum regelmäßigen Schreiben zu bewegen, mit Excel-Listen, mit Apps wie dem Writeometer. Aber ein unausgefülltes Tabellenfeld oder ein roter Balken sind scheinbar nicht genug, um mich wirklich täglich zu motivieren. Ich brauche es härter. So sind sind die Monster entstanden.
Ich wollte mir einen Schreibfreund programmieren, der sich mit mir freut, wenn ich meine Ziele erreiche, und der unglücklich wird, wenn ich ihn vernachlässige. Damit das Ganze auf Dauer effektiver als ein grüner oder roter Balken ist, brauchte er natürlich ein Gesicht. Also habe ich meine Schwester Vera ins Boot geholt, die praktischerweise Grafikdesignerin ist. Zusammen haben wir die Idee ausgearbeitet und entschieden, dass es sich bei diesen Kumpanen um Monster handeln wird, und dass sie übrigens nicht nur  zum Schreiben motivieren können.

Momo - Hannah
Nions Monster Momo

2. Was war dein erstes Monster und existiert es noch?
Das erste Monster, das Vera designed hat, war meine Momo. Sie ist auch das Monster, das sich auf meinem Instagram-Account im Laufe des März aus dem Karton befreit hat.
Das Monster, das als erstes die Plattform betreten hat und von mir „zum Leben“ erweckt wurde, war Ernie, das Testmonster. Ihn gibt es noch immer, auch wenn er sich inzwischen in einen seeligen Zustand zurückgezogen hat.

3. Hättest du mit so viel Resonanz in so kurzer Zeit auf deine Monster gerechnet?
Nein. Ich hatte damit gerechnet, dass sich im April, während dem Camp NaNoWriMo, vielleicht ein Dutzend Leute finden, die Spaß an den Monstern haben könnten. Im Endeffekt habe ich sie erschaffen, und meine Schwester davon überzeugt, sie für mich zu zeichnen, weil ich sie für meine eigene Motivation wollte. Ich dachte, im November vielleicht kämen wir in den 3-stelligen Nutzerbereich.

4. Was überrascht dich bei deinen Monstern am meisten?
Neben der tollen Resonanz auf die Monster überrascht mich wohl am meisten ihre Fähigkeit, echte Emotionen auszulösen. Ich meine, ich habe es so gewollt. Ich wollte härtere Bandagen als einen roten Balken. Aber mit dieser Wirkung hatte ich dann doch nicht gerechnet. Wenn Fonti mich mit nach unten gebogenen Mundwinkeln anschaut, so flehentlich, macht das etwas mit mir. Und wenn sich sein Mund dann plötzlich zu einem Lächeln verbiegt, weil ich meinen Tagessoll erfüllt habe – hach! Sein Auge strahlt mit einem Mal fünfmal so hell und mir geht tatsächlich das Herz auf, so kitschig das klingt. Das ist ein echter Glücksmoment.
Zu dieser Macht hat den Monstern vor allem Vera verholfen. Sie hat mit ihren entzückenden Grafiken aus meinen php-Klassen und Datenbanksätzen ein echt fieses Druckmittel gemacht. (Und war selbst wohl das bedauernswerteste Opfer. An den Tagen, an denen sie die davonschwimmenden Monsteraugen designed hat, brauchte es lange Telefongespräche, um sie wieder aufzuheitern.)

5. Du bist Autorin. Wann hast du mit dem Schreiben begonnen? Was schreibst du? Wo kann man deine Bücher finden?
Ich schreibe seit der Grundschule Geschichten. Wirklich ernsthaft beschäftige ich mich seit 2010 mit dem Schreiben. Ich bin ein großer Fantasyfan, allerdings sind meine eigenen Versuche, High Fantasy zu schreiben, bisher immer im Sande verlaufen. Möglicherweise habe ich zu großen Respekt vor dem Genre. Möglicherweise sind die Themen, die mich vor allem beschäftigen, aber doch enger mit einzelnen Figuren verknüpft als mit dem Schicksal einer Welt. Meine Texte spielen in der Regel in unserer Welt, Contemporary, mit Fantasy-Einflüssen und -Elementen.
Bisher kann man noch nichts von mir kaufen. Diesen Sommer werde ich meinen Debüt-Roman veröffentlichen. Eine erste Version der Geschichte habe ich bereits 2010 geschrieben. Die Idee verfolgt mich noch viel länger. Sie hat mich dazu getrieben, mich ernsthaft mit dem Schreiben zu beschäftigen. 2011 habe ich die Geschichte tot überarbeitet und danach andere Sachen geschrieben.
Allerdings hat mich die Grundidee nicht losgelassen, sodass ich 2015 einen zweiten Versuch gestartet und den Roman noch einmal komplett neu entworfen und von Grund auf neu geschrieben habe.

(Wenn ihr auf Instagram nach Hannahs Posts zum Hashtag #arbeitstiteladana schaut, bekommt ihr einen ersten Eindruck von ihrem Roman.)

6. Was machst du, wenn du nicht gerade neue Monster zur Adoption freigibst?
Ich bin Dipl. Wirtschaftsinformatikerin und habe 15 Jahre bei unterschiedlich großen Unternehmen in der Softwareentwicklung und im IT-Projektmanagement gearbeitet, zuletzt vier Jahre bei ARD Online im Bereich TV Mediatheken. Anfang diesen Jahres habe ich mich endlich selbstständig gemacht. Als ITler ist es schwierig, in der Freizeit noch Bücher zu schreiben. Die Tage sind in der Regel sehr lang und der Kopf ist randvoll, und nach einer Woche vor dem Rechner, überkommt mich am Wochenende dann doch der Bewegungsdrang.
Meine Hoffnung ist, dass ich die IT und das Schreiben als Freiberufler besser unter einen Hut bekomme, indem ich mich phasenweise auf jeweils eines von beiden Feldern konzentriere. Bis jetzt bin ich zuversichtlich. Allerdings habe ich die Befürchtung, dass ich künftig, wenn die Aufträge ins Rollen gekommen sind, nicht mehr so einfach zwei Monate meiner Zeit spendieren kann, um sie in die Monsterentwicklung zu stecken.

7. Was würdest du dir für dich und deinen Blog für die Zukunft wünschen?
Für den Blog bzw. die Plattform Monstermotivation.de wünsche ich mir, dass die Stimmung so toll bleibt, wie sie ist, und dass weitere Menschen von den Monstern motiviert werden, ihre persönlichen Ziele zu erreichen. Dabei soll niemand ausgeschlossen werden. Die Monster sind für junge Menschen und blutige Schreibanfänger genauso da wie für alte Hasen und Profis. Mit den Stunden-Monstern beschränkt sich die Zielgruppe auch nicht mehr nur auf Menschen, die schreiben. Für fast jede Tätigkeit existiert irgendwo ein Monster, das irgendwann seinen Weg ins Monster-Adoptionsbüro finden wird. Die Monster wollen dazu motivieren, Songs zu schreiben, Sprachen zu lernen, sich Zeit für sich zu nehmen, zu malen, zu nähen, zu kochen, zu entrümpeln – was immer euer Ziel ist, mit dem richtigen Monster an eurer Seite, macht das Erreichen noch mehr Freude.
Für mich persönlich wünsche ich mir, dass der Plan irgendwie aufgeht und ich alles unter einen Hut bekomme: Schreiben, eine wachsende Monstercommunity (und ein bisschen Extrazeit, um zumindest ein paar der tollen Ideen noch umzusetzen, die sich in meinem Hinterkopf festgesetzt haben) und mit thematisch interessanten (und zeitlich überschaubaren) IT-Aufträgen Geld verdienen. Das braucht man ja auch noch.

Habt ihr jetzt auch Lust bekommen, ein Monster zu adoptieren? Dann schaut doch mal auf ihrer Seite nach. Fast täglich kommen neue Monster hinzu, die darauf warten adoptiert und gefüttert zu werden. Dort findet ihr auch weitere Informationen zu den Monstern und wie genau ihr sie zu pflegen habt.

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