Der Galgen von Tyburn – Ben Aaronovitch

Text by Niklas.

Nach langem Warten stürzt sich der magisch begabte Police Constable Peter Grant in seinen fünften Fall und ich habe mir das Buch natürlich gleich am Erscheinungstag gekauft, um mein bisher freies Wochenende sinn- und genussvoll zu füllen.

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Wer die Serie noch nicht kennt: Oft beschrieben als „Harry Potter für Erwachsene“, ist die von Kritikern gepriesene Anthologie eine Sammlung gruselig-charmanter Kriminalgeschichten mit magischer Prise und zugleich Liebeserklärung an die quirlige Metropole London. Peter Grant, Polizist in Belgravia, besitzt einen Sinn fürs Übernatürliche und wird darob im ersten Band vom distinguierten Chief Inspector Nightingale rekrutiert, um ihm in der geheimen Abteilung für absonderliche Fälle zu assistieren. Dabei lernt der angehende Zauberlehrling neben einigen nicht ganz ungefährlichen Zaubern für den Feldeinsatz auch die magische Untergrund-Society der britischen Hauptstadt kennen, angefangen bei den Gottheiten der zahlreichen Gewässer.

Mittlerweile ist rund um den magischen Gesetzeshüter und seine übersinnlichen Ermittlungen ein ganzer Kosmos verrückter Figuren, phantastischer Schauplätze und geheimnisvoller Geschichten entstanden, kreuz und quer über und unter London verteilt. Dank detailverliebter Ortsangaben kann der kundige Besucher diesen auch selbst vor Ort nachspüren, und so fügt sich jedes Buch der Reihe in ein vergnügliches Leseerlebnis mit einer großen Portion nebenbei dargereichtem Wissenswertem.

Zwischen Golfplatz und Kellerpool

Der neue Fall führt Peter Grant in die luftigen Höhen der Upper Class. Eine scheinbar ganz profane Drogen-Überdosis bei einer Teenie-Party in bester Wohnlage legt die Spur schnell zu einem alten Feind, dem bedrohlichen Gesichtslosen. Dazu muss Peter auch noch einen äußerst delikaten Gefallen im Auftrag stinksaurer Flussgötter erledigen und auf Fuchsjagd nach einem gestaltwanderischen Hehler für magische Artefakte gehen.

Ben Aaronovitch bietet mit dem „Galgen von Tyburn“ erneut ein leichtgängiges Lesevergnügen, setzt aber die Kenntnis der anderen Bände voraus. Mit trockenem Humor und akrobatischen Wortspielen laviert sich Peter Grant ein weiteres Mal durch die Fallstricke der Londoner Zauberwelt, allerdings regelmäßig an menschen- und figurenleeren Schauplätzen. Zudem werden einige Logiklöcher ziemlich brutal vom Autor zubetoniert, samt nichtssagender Figuren mit schnell vergessenen Namen. Der erfahrene Fan entdeckt wenig neues und die Welt der Reichen und Schönen bleibt uns größtenteils ebenso verschlossen wie unserem Ermittler, der etwas oft vom Schicksal begünstigt und mächtigeren Charakteren an die Wand gespielt wird. Dafür werden einige altbekannte Freunde und Handlungsfäden wieder aufgegriffen, das typisch bittersüße Ende liefert jedoch kaum Ergebnisse als vielmehr Aussichten auf noch kommende Ereignisse.

Brückenschlag mit vergebenem Potenzial

So ist „Der Galgen von Tyburn“ in erster Linie Verknüpfung von Altem und Neuen, eine unbefriedigende Hetzjagd durch abweisende Villen und kalte Lofts. Das explosive Showdown in der Tiefgarage zwischen demolierten Luxuskarossen entschädigt zweifellos und, bei aller Rosinenpickerei: Aaronovitch bleibt seinem höchst unterhaltsamen Schreibstil weiter treu, zudem serviert er dem Neugierigen wieder unzählige informative Faktenkrümchen. Leider wird die Geschichte hinter der namensgebenden Richtapparatur nur angerissen und vom getönten Glas der High Society-Erkundungen überdeckt. Nach dem unbeschwerten Ausflug des letzten Teils in die englische Provinz gelingt es Aaronovitch nun, den langfristigen Plot wieder etwas voranzutreiben und alte Handlungsfäden zu verknüpfen. Dennoch sollte er aufpassen, dass ihm dabei seine Fabulierlust nicht abhandenkommt und das Innehalten für die kleinen Geheimnisse am Wegesrand.

 

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