Urban Fantasy, Steampunk, High Fantasy… Hä?

Text by Reni.

Subgenres der Phantastik auseinander zu halten, ist nicht gerade leicht, da Phantastik nicht nur ein einziges Genre definiert, wie beispielsweise Krimi oder Liebesroman. Phantastik ist ein Oberbegriff, unter dem sich viele verschiedene Themen sammeln, mischen und ständig neu herausbilden. Für einen besseren Überblick habe ich euch ein paar der wichtigsten bzw. häufigsten Subgenres herausgepickt und versuche, mit Beispielen und einer einfachen Erklärung ein bisschen mehr Licht ins Dunkel zu bringen.

Wikipedia zufolge umfasst die Phantastik in der Literatur alle erzählenden Texte, die in ihrer fiktiven Welt die Naturgesetze verletzen. Dabei kann die Verletzung dieser Gesetze minimal sein und ein einziges Detail eine Geschichte von einer nicht-phantastischen zu einer phantastischen machen.
Beispiel gefällig? Ein Mann arbeitet als Detektiv und löst Kriminalfälle. Er lebt mit seiner Katze zusammen, mit der er all seine Fälle bespricht und die Katze immer die passende Lösung parat hat. Klingt nach Phantastik, meint ihr? Wartet es ab. Der Autor hat nämlich nun zwei Möglichkeiten: Erstens, der Detektiv bildet sich nur ein, dass seine Katze ihm antwortet. Damit bliebe unsere Geschichte ein Krimi, nur eben mit einem paranoiden Detektiv. Die zweite Möglichkeit wäre, dass die Katze wirklich mit dem Mann sprechen kann und er es sich nicht einbildet. In diesem Fall handelt es sich bei unserer Geschichte wirklich um Phantastik. Ihr seht, ganz so einfach machen es uns die Autoren mit der Zuordnung nicht.

Die wohl gängigsten Subgenres der Phantastik sind Horror, Fantasy, Märchen und Science Fiction. In anderen Ländern, beispielsweise Amerika, zählen diese als eigene Genres, in Deutschland, dank der obigen Definition, fallen diese alle unter ein Genre. Diese vier Gruppen sind noch relativ leicht zu unterscheiden, wenn der Autor nett ist und das Subgenre nicht mit Elementen anderer mischt. Doch welcher Autor ist schon nett zu seinen Lesern? Deswegen folgen nun hier die Definitionen einiger Unterkategorien:

Horror: Stephen King legte vor ein paar Jahren drei grundlegende Arten des Grauens fest, die in Horrorgeschichten immer angewendet werden, gerne auch kombiniert: Horror, Schrecken und Ekel. Dieses Subgenre spielt gerne mit Archetypen, wie Monstern, Geistern, gruseligen Orten, Doppelgängern oder auch parasitären Kreaturen.
Vertreter der Horrorliteratur sind beispielsweise Mary Shelley mit Frankenstein, E.A. Poe, Robert L. Stevenson mit Dr. Jekyll und Mr. Hyde, Bram Stoker und natürlich Stephen King.

Science Fiction: Dieses Subgenre beschäftigt sich mit naturwissenschaftlichen und technischen Entwicklungen. In den meisten Fällen spielen die Geschichten in der Zukunft. Ein wichtiges Element ist das Novum, welches jedoch wissenschaftlich erklärbar und rational nachvollziehbar sein muss. Beispiele für Nova sind Zeitreisen, Raumschiffe oder Reisen via Lichtgeschwindigkeit. Haben diese Nova einen phantastischen Ursprung, werden die Geschichten dem Subgenre Science Fantasy zugeordnet (zB. in His Dark Materials von Philip Pullman oder Tad Williams Otherland).
Beispiele dieses Science Fiction Subgenres sind Frank Herberts Dune, Star Trek und Star Wars, Detlef G. Winters Perry Rhodan oder auch Die Zeitmaschine von H.G. Wells.

Steampunk: Steampunk könnte man wohl am ehesten der Science Fiction zuordnen, auch wenn viele Elemente mittlerweile in der Fantasy auftauchen. Beginnend mit der Industriellen Revolution tauchten immer mehr (damals Groschen-)Romane auf, die die ansteigende Technisierung in ihre Geschichten aufnahmen, um nicht nur die positiven Aspekte aufzugreifen, sondern auch die Angst der Leute widerzuspiegeln. Heutigen Steampunk-Geschichten schwingt oft die Nostalgie eines alternativen 19. Jahrhunderts mit, in dem phantastisch anmutende Technik heterogen in die Welt eingewebt wird. Beliebt ist aber auch, die Geschichten retro-futuristisch zu gestalten, heißt, die Autoren schaffen eine Vergangenheit oder Zukunft mit Technikvorstellungen von heute, die so niemals war oder werden wird.
Beispiele sind zB. Steamtown von T.S. Orgel und Carsten Steenbergen und die Steampunk-Serie RACK von Ann-Kathrin Karschnick.

Märchenromane: In dieses Subgenre fallen Kunstmärchen und Geschichten, die die alten Märchenstrukturen modernisiert nutzen. Die Geschichten haben meist eine lineare Erzählstruktur, symbolische Charaktere, jede Menge Fabelwesen und oft eine klare Trennung von Gut und Böse.
Beispiele sind Die unendliche Geschichte und Momo von Michael Ende, Lewis Carrolls Alice im Wunderland oder auch Der Zauberer der Smaragdenstadt von Alexander Wolkow.

High Fantasy: High Fantasy kennt man aus den Romanen von Tolkien. Geschichten dieses Subgenres spielen in fiktiven Welten mit Mittelalter-Atmosphäre, die von den verschiedensten phantastischen Völkern bewohnt sind und natürlich darf auch Magie nicht fehlen.
Beispiele sind Eragon von Christopher Paolini, Herr der Ringe und Der Hobbit von Tokien, Die Zwerge von Markus Heitz, Bernhard Hennens Die Elfen oder auch George R.R. Martins Game of Thrones-Reihe.

Low Fantasy: Die Low Fantasy ist eine Kreuzung aus historischem Roman und Fantasy. Die Geschichten spielen in einer real oder fiktiv historischen Welt mit nicht ganz so vielen phantastischen Wesen und auch weniger Magie. Im Mittelpunkt steht zumeist nur ein einzelner Held, der sich ganz allein den magischen oder natürlichen Problemen stellen muss. In diesem Subgenre unterscheidet man übrigens stark nach Zielgruppe: Ist die Geschichte eher für Frauen, spielt oft viel Romantik eine Rolle, ist die Zielgruppe eher männlich, erwartet den Helden viel Action und eine rasante Handlung.
Beispiele sind die Werke von H.P. Lovecraft und Conan von Robert E. Howard oder aber die Highland-Saga von Diana Gabaldon und die Avalon-Reihe von Marion Zimmer Bradley.

Urban Fantasy: Urban Fantasy hat einen klaren Realitätsbezug. Der Held kann durch ein Portal in eine phantastische Welt stolpern, die phantastische Welt kann aber auch neben der unsrigen existieren oder phantastische Elemente durchziehen unsere Realität.
Eins der bekanntesten Beispiele ist die Harry Potter Reihe von JKR, aber auch Neil Gaimans Romane wie American Gods oder Coraline gehören zu diesem Subgenre. Weitere Beispiele sind Peter Pan von J.M. Barrie, Die Chroniken von Narnia von C.S. Lewis, Percy Jackson von Rick Riordan oder auch Märchenmond und Das Buch von Wolfgang Hohlbein.

Dark Fantasy: Dieses Subgenre mischt sich mit Elementen aus Horrorgeschichten, seine Welten bevölkern Dämonen und Schattenwesen, die Atmosphäre ist meist düster. Leidenschaft und Erotik sind fast immer ein fester Bestandteil der Geschichten.
Ein Beispiel ist die Twilight-Reihe von Stephanie Meyer, auch wenn man darüber streiten kann, ob vegetarische Glitzervampire gruselig sind oder nicht. Ein weiteres Beispiel ist Der dunkle Turm von Stephen King.

Magischer Realismus: Die phantastischen Elemente sind bei diesem Subgenre Teil des Alltags, sind nicht erzwungen, sondern wirken natürlich. Die Ursprünge liegen in der Einbettung der Mythologie in Geschichten. Vor allem im lateinamerikanischen Raum ist dies ein weit verbreitetes Genre, da hier der Glaube an das Übernatürliche fester Bestandteil des Alltags ist.
Beispiele für dieses Subgenre sind zum Beispiel Franz Kafkas Die Verwandlung, Patrick Süßkinds Das Parfüm und theoretisch auch die Göttersagen der Antike und die Bibel (auch wenn die nicht offiziell darin einsortiert werden).

Romantasy & Erotic Fantasy: Romantasy verbindet Fantasy mit Liebesgeschichten und ist vor allem in den letzten Jahren beim weiblichen Publikum immer beliebter geworden. Imprints wie Impress und Dark Diamonds von Carlsen bedienen gezielt diesen Trend mit ihren Programmen. Im Mittelpunkt steht immer eine Liebesgeschichte, die mit phantastischen Elementen umsponnen wird, wobei die Heldin (oder der Held) oft Menschen sind, die zusätzlich mit außergewöhnlichen Fähigkeiten ausgestattet wurden.
Erotic Fantasy zielt auf eine ältere Zielgruppe an und bindet eindeutige erotische Szenen in die Handlung ein, gerne mit Vampiren, Werwölfen, Engeln/Dämonen und Co.
Beispiele sind Die Chroniken der Unterwelt von Cassandra Clare, Die Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier oder auch Die Pan-Trilogie von Sandra Regnier.

Humoristische Fantasy: Dieses Subgenre geht meist ironisch mit dem Genre Phantastik um oder parodiert es gleich ganz. Ob die Scheibenwelt-Romane von Terry Pratchett, der Zamonien-Zyklus von Walter Moers oder Per Anhalter durch die Galaxis von Douglas Adams – dieses Subgenre will seine Leser unterhalten, zum Lachen bringen und nebenbei unsere Weltordnung in Frage stellen.

 

Das sollten die wichtigsten Subgenres der Phantastik gewesen sein. Ich hoffe, diese kleine Übersicht verhilft euch zukünftig zu mehr Durchblick im Genre der Phantastik. Sollten eurer Meinung nach in der Liste wichtige Subgenres fehlen, könnt ihr die gerne in den Kommentaren ergänzen.

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3 Gedanken zu „Urban Fantasy, Steampunk, High Fantasy… Hä?

  1. Hallo Reni,

    Da sieht man das Fantasy alles enthält was das Bücherherz begehrt 😜

    Nein Spaß.
    Danke für die Auflistung, der Begriff Humoristischen Fantasy war mir neu obwohl ich doch Moers und Pratchett so liebe 🙈

    Herzlichen Dank für das schließen dieser fatalen Wissenslücke.

    Liebe Grüsse

    Laura

    Gefällt mir

  2. Hey!:) vielen Dank für den Überblick! Ich bin ziemlich lausig, wenn es um das Zuordnen zu Genres geht (mit Musik ist es noch grausiger). Besonders schön fand ich es, alten Weggefährten zu begegnen. Philipp Pullman war die erste Trilogie, die ich selbst erworben habe.

    Gefällt 1 Person

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