Der Gesandte des Mondlichts

Text by Anna.

Mit dem Ende der Leipziger Buchmesse 2017 stellen die Buchstudenten ihren Countdown zurück und ein neues Lesejahr beginnt. Pünktlich dazu führe ich eine neue Kategorie ein:
Das Kind in dir stellt künftig Kinder- und Bilderbücher vor, die auch von Erwachsenen und Kunstliebhabern gelesen werden sollten.
Den Anfang macht eines meiner neusten Errungenschaften:

Der Gesandte des Mondlichts

Du brauchst nur die Augen zu schließen, dann wird der schöne Vogel, der Gesandte des Mondlichts, sich auf deine Schultern setzen und der Wind dir die schönsten von ihnen ins Ohr summen. Jene Geschichten, die keine Worte haben, um erzählt zu werden.

Auf 44 Seiten verzaubern uns Marie Desbons und Jean-Marie Robillard mit ihrem Bilderbuch Der Gesandte des Mondlichts voll ornamentaler Bildsprache und reich verzierter Worte.
Erschienen ist es 2015 im TinkenTrinker Verlag, der sich vor allem auf französische Kinder- und Jugendliteratur spezialisiert hat.

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Worum geht’s?
An jedem ersten Tag der Regenzeit geht der Dichter Sastrawane Mandia zu seinem Herrn Radscha Cokorda Sukawati, um ihm eine Geschichte zu bringen. Doch dieses Mal kommt er nicht mit einer Geschichte, sondern mit einem Buch voller leerer Seiten. Erzürnt fragt der Radscha, was es damit auf sich hat und so erzählt Sastrawane Mandia die Geschichte von einem alten Mann, einem geheimnisvollen weißen Vogel und den Ursprung des leeren Buches, dass mehr beherbergt, als es auf den ersten Blick zu sein scheint.

Jean-Marie Robillard erzählt die Geschichte so farbenfroh, dass ein harmonisches Bild entsteht und man glaubt, es mit allen Sinnen zu erleben. Gerade die Beschreibung der Düfte und Aromen (von Vanilleschoten über Ylang-Ylang-Blüten bis hin zur Champaka-Blume) betont den exotischen Charakter.
Hinzu kommt das Schachtelsystem mit einer Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte, dass den Leser immer tiefer in das Buch reinzieht und nicht mehr loslässt.

Die Kunst im Buch:
Die reichhaltige Bildwelt von Marie Desbons entführt uns in die mystischen Gebiete Südostasiens und unterstreicht den märchenhaften Charakter, der bereits in der Handlung zu Tage kommt. Wiederkehrende Bildelemente wie Karpfen, Kraniche und Schmetterlinge verbinden die Geschichte und zeigen die Erzählungen immerzu im neuen Licht.
Besonders gut hat mir die Darstellung der Flugdrachen gefallen, die in Fischform an den Mast einer Piroge befestigt sind und auf denen ein kleines Mädchen sitzt und Flöte spielt.

Fazit:
Marie Desbons ist eine Illustratorin, die meiner Meinung nach bis jetzt viel zu wenig Aufmerksamkeit erhalten hat. Mit ihrem verspielten und detailverliebten Stil sind ihre Bücher immer wieder lesenswert, da man stets neue Dinge finden kann, die beim ersten, zweiten und sogar dritten Lesen noch nicht augefallen sind.
Wer namenhafte Künstler wie Benjamin Lacombe oder Nicoletta Ceccoli kennt und liebt, wird auch für Marie Desbons ein Platz im Herzen haben.

Titel: Der Gesandte des Mondlichts
Autor: Jean-Marie Robillard (Autor) & Marie Desbons (Illustration)
Verlag: TintenTrinker Verlag

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