Der Tag vor Allerheiligen, Halloween, Samhain: Heute gehen die Geister um!

Der Trend, den 31. Oktober nicht als Reformationstag zu feiern, sondern als Zombies, Hexen und Monster um die Häuser zu ziehen, ist noch relativ neu in Deutschland. Aber gerade wir von Buchstudent sind voll im Halloween-Fieber! Und weil wir nicht alle Leser des Blogs zu unserer Party einladen können, und ihr auch nicht brav „Süßes sonst gibt’s Saures!“ gesagt habt, gibt es heute von uns nur ein paar Empfehlungen, wie ihr euch Zuhause etwas besser gruseln könnt.

Happy Halloween!


Buch: Liz Jensen, „Die da kommen“, 2013

Mit bisher zwei veröffentlichten, relativ unbekannten Büchern gehört die Autorin Liz Jensen zu jenen ungehobenen Schätzen, die unter dem Radar der alltäglichen Bestseller-Sensationen weitaus innovativere und mutigere Unterhaltung produzieren als viele ihrer großen Kollegen. Ihr zweiter Roman ist ein kompromissloser Thriller mit einem Schuss Idealismus, der jedoch locker wettgemacht wird von der einzigartigen Figurengestaltung und rasanten Schauplatzwechseln.

Die Handlung beginnt mit zwei scheinbar zusammenhanglosen, weltweit auftretenden Phänomenen: Bisher äußerst loyale Mitarbeiter verschiedener Unternehmen sabotieren ihre Arbeitgeber, um danach aus Scham Suizid zu begehen. Gleichzeitig gibt es eine zunehmende Häufung von bestialischen Morden an Eltern durch ihre eigenen Kinder, welche nach der Tat ebenfalls komplett verwirrt scheinen. Der Unternehmensberater Hesketh Lock kommt durch seine Ermittlungen für die sabotierten Unternehmen schnell mit beiden Entwicklungen in Kontakt. Während der Strudel aus Gewalt und Verzweiflung sich immer schneller dreht und schließlich auch sein eigenes Privatleben erreicht, beginnt er eine unkonventionelle Theorie zu entwickeln.

Liz Jensen entschied sich mit ihrem Hauptcharakter gegen den üblichen, durchtrainierten Thriller-Helden. Stattdessen hat dieser das Asperger-Syndrom, ist daher völlig unfähig im Umgang mit Menschen und erscheint zunächst unsympathisch, egoistisch und kaltherzig. Da er seine Umgebung aber völlig anders wahrnimmt als der große Rest der Menschheit und unabhängig ist von sozialem Druck und gesellschaftlichen Erwartungen, verläuft seine Interpretation der Ereignisse nicht in eingefahrenen Bahnen und führt ihn schließlich zu einer unglaublich erscheinenden, doch zutreffenden Schlussfolgerung.

Der Autorin gelingt es, das Innenleben des Protagonisten sehr detailliert und frei von romantischer Schönfärberei zu zeichnen, was schließlich doch zur Identifikation für den Leser führt. Zumal Hesketh ja kein herzloser Mensch ist, er besitzt nur keine Möglichkeit, sich angemessen auszudrücken. Dieser zuweilen harte Realismus macht einen großen Reiz des Buches aus und zieht sich auch durch die sachkundigen Ortsbeschreibungen. Liz Jensen schreibt wenig um den heißen Brei herum und benötigt daher nur rund dreihundert Seiten, um einen prall gefüllten Parforceritt durch eine zerbrechende Welt abzuliefern. Exzellente Spannungslektüre, die für einige Stunden jegliche Langeweile fortbläst.


Serie: „Kingdom Hospital“, 2004

Wir wissen alle, wie gruselig Krankenhäuser sein können. Doch die Geschichte um das „Kingdom Hospital“, brillant erzählt in der gleichnamigen Kurzfernsehserie und aus der Feder des einzigen wahren Meister des Horrors Stephen King, ist noch einmal etwas ganz besonders schauriges. Da gibt es kleine Geistermädchen, die mit ihrem Glöckchen die Toten rufen, einen Ameisenbären, der den Tod bringt oder verscheucht, und eine Geschichte, die mehr als 150 Jahre umspannt. Als Zuschauer begleitet man dabei den Künstler Peter Rickmann, der nach einem Autounfall in das „Kingdom Hospital“ aufgenommen wird, als Komapatient in der Zwischenwelt festhängt und so einen ersten Einblick in die vielen kleinen und großen Geheimnisse des Krankenhauses erhält. Hinzu kommen noch andere mehr oder weniger schräge Patienten, die am Ende alle ihren Beitrag dazu beitragen, die Wahrheit hinter dem Fluch, der auf dem Standort des Krankenhauses zu liegen scheint, aufzudecken. Bis zur letzten Minute fiebert man mit! (und am Ende möchte man auch einen gruseligen Ameisenbären als besten Freund haben)

Die Serie ist dabei in sich sehr spannend, und lebt weniger von den klassischen Horroreffekten, sondern mehr von der fesselnden Handlung und den sehr guten Leistungen der Schauspieler. Auch die Musik bleibt einem im Ohr hängen, wie zum Beispiel die Titelmusik. Der einzige Nachteil: Weil die Serie schon gut zwölf Jahre alt ist, erhält man sie nur schwer in der deutschen Fassung. Aber manchmal hat man auf einem Flohmarkt Glück, und es lohnt sich wirklich!


Film: „Rocky Horror Picture Show“, 1975

Die ersten Noten erklingen, während auf einem schwarzen Hintergrund blutrote Lippen singend Science Fiction Klassiker aufzählen. So beginnt einer der kultigsten „Gruselfilme“ des letzten Jahrhunderts, der noch heute Millionen verkleideter Fans in Musicals, Theater und Kinos zieht: The Rocky Horror Picture Show. Im Juni 1973 feierte dieses Musical seine Premiere im Royal Court Theatre in London, bevor es 1975 erstmals in den Kinos startete.

Der Film handelt von Janet und Brad, die frisch verlobt ihren Professor besuchen wollen, in dessen Vorlesung sie sich zum ersten Mal begegnet sind. Unterwegs auf einer einsamen Straße bei strömendem Regen und Gewitter platzt ihnen der Reifen ihres Wagens und beide suchen Unterschlupf in einem nahegelegenem schlossähnlichen Haus, das von Dr. Frank N. Furter sowie seinen Gästen bewohnt wird. Dieser besteht darauf, dass Janet und Brad über Nacht bleiben, eine Nacht die keiner der beiden so leicht wieder vergessen wird.

Die Songs dieses Musicals sind Kult, ebenso die Kostüme. Für Fans schräger Halloweenfilme ist The Rocky Horror Picture Show ein absolutes Muss, schon alleine der Songs (wie Time Warp) und der verrückten Kostüme wegen. Für das besondere Feeling gibt es im Internet übrigens auch genügend Anleitungen für allerlei Aktionen, um sich während des Films zu beteiligen – macht natürlich am meisten in großer Runde oder direkt im Kino unter anderen Fans Spaß.


Manga: „Hellsing“, 1997

Was passt besser zu Halloween als Untote, Blut, Maschinenpistolen…religiöse Fanatiker…und…Vampir-Nazis? Gut, das mag jetzt etwas komisch klingen, aber wenn es jemand schafft diese Dinge in einem wirklich guten Manga zusammen zu bringen, dann ist es Mangaka Kohta Hirano.

Der in zehn Bänden abgeschlossene Manga aus dem Jahr 1997 spielt in einem fiktiven England, welches unserem sehr ähnlich ist. In dieser Welt hat seit Jahren der königlich-protestantische Ritterorden Hellsing die Menschen vor Untoten und Vampiren beschützt. Ihre stärkste Waffe dabei? Der Vampir Alucard (ja, ja ich weiß wie kreativ der Name ist). Der in Rot gekleidete Vampir mit der getönten Brille ist an das Oberhaupt der Hellsing-Familie, Lady Integra Wingates Hellsing, gebunden und muss ihren Befehlen gehorchen. Wer hätte schon nicht gerne einen uralten, übermächtigen Vampir als Haustier?

Hinzu kommt die ehemalige Polizistin Seras Victoria, die innerhalb des ersten Bandes gleich mal von Alucard zum Vampir gemacht wird. Warum? Weil sie noch Jungfrau ist. Klingt wie ein Witz, ist aber wirklich ein Kriterium zum Vampir-sein bei „Hellsing“.

Es spritzt viel Blut, Untote sterben noch einmal und … ja, wie gesagt, religiöse Fanatiker (hier sind es wieder mal die Katholiken, sorry guys) und Nazis … ja.

Ich hoffe ich habe noch nicht allzuviel gespoilert für die, die den Manga noch nicht kennen.

Wer nicht so der Freund von Mangas ist, aber Animes dafür liebt, hier ein Tipp: „Hellsing“ hat eine Anime-Adaptation (die folgt dem Manga nicht genau in der Story, weil der Anime vor Beendigung des Mangas entstanden ist) und zehn OVA-Folgen unter dem Titel „Hellsing Ultimate“ (wobei hier die gleiche Geschichte wie im Manga behandelt wird).

Freunde von Vampiren und Untoten kommen hier nicht zu kurz!

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