Pokemon oder nicht Pokemon… (ist das wirklich hier die Frage?)

Text by Inge.

Gerade einmal zwei Monate ist es her, als scheinbar jeder in der Welt plötzlich von Pikachu, Glumanda und Ratzfratz sprach: Die App Pokémon Go hatte innerhalb weniger Tage Platz 1 auf sämtlichen Download-Charts belegt und jeder mit einem Smartphone schien es zu spielen.

Jetzt ist der große Hype vorbei und der Trend stabilisiert. Zeit also für einen kurzen Rückblick, da auch wir von Buchstudent natürlich auf dieser Welle mitgeschwommen sind (und es noch tun).

Amüsant war für mich, wie viel über diese eine kleine App in den Medien berichtet wurde. Positiv wie negativ, Pokémon Go machte Schlagzeilen. In Amerika bauten Autofahrer Unfälle, weil sie ihr Handy nicht loslassen konnten, und in Düsseldorf musste eine kleine Brücke in der Innenstadt gesperrt werden, weil sich wegen Pokémon Go zu viele Menschen dort aufhielten. Es wirkte etwas, als wäre die Menschheit verrückt geworden.

Fakt ist: Pokémon Go animiert selbst jetzt noch viele Leute dazu, sich mehr draußen zu bewegen und neue Orte zu entdecken. Egal ob man einfach nur ein seltenes Pokemon entdeckt hat und es fangen möchte oder dieses eine verflixte 10-Kilometer-Ei schlüpfen zu lassen hat: Menschen, die sonst den Großteil ihrer Zeit innerhalb ihrer vier Wände verbringen, gehen plötzlich raus. Und müssen – wie verschiedene Pokémon Go Ratgeber empfehlen – dann auch noch in Gegenden gehen, die eher unbevölkert sind, da dort die selteneren Pokemon hausen. (Aus persönlicher Erfahrung kann ich das bestätigen: eine Freundin, die gut zehn Minuten bis zum nächsten Poke-Stop laufen muss, fängt in ihrer Wohnung ständig Evolis und ist bei ihrem sechsten Pikachu.)

Ein weiteres Phänomen, das ich beobachten konnte, war die generationenübergreifende Begeisterung für Pokemon. Es war einfach herzerwärmend, wenn man in der Straßenbahn einer Familie gegenüber saß, in der von der jüngsten Tochter bis zur Großmutter alle auf der Jagd nach Pokemon waren.

Der mit dem Hype eingehende Shitstorm kam allerdings ebenso aus allen Altersgruppen. Selbst in meinem Freundeskreis von Leuten von Anfang Zwanzig bis Mitte Dreißig gab es Verweigerer und „Mainstream“-Hasser, die entweder mit der Art, wie die App aufgebaut war, nicht zufrieden waren oder sich als zu cool für den Hype sahen. Überhaupt nicht überraschend fand ich die Reaktion der Generation Ü60, die aber sowieso nicht als Zielgruppe dieser App gesehen werden kann (und bis auf das gelegentliche „Runter von meinem Rasen, hier gibt‘s keine Pokemons!“ auch kaum selbst Interaktion mit der eigentlichen Zielgruppe haben dürfte).

Generell aber überwiegen, denke ich, diejenigen unter uns, die in der Straßenbahn sitzen und ab und zu ein Traumato fangen. Diese umgangssprachlich als „Casual-Spieler“ bezeichnete Gruppe ist natürlich weit weniger auffällig als die vielen Spieler, die sich mit Campingstuhl, Picknickausrüstung und Powerbank bewaffnet in den Park hinter das Leipziger Gewandhaus setzen, um die dortigen aktiven Lockmodule zu nutzen. Wer sich aber darüber beschwert, dass sich Personen in einem öffentlichen Park friedlich versammeln und einem gemeinsamen Hobby nachgehen, hat sich nicht genügend mit Pokémon Go und dessen positiven Nebeneffekten beschäftigt. In meinen Augen verlieren sie damit jegliche Berechtigung, dieses Spiel zu kritisieren.

Doch egal wie viele Leute sich über Pokémon Go beschweren und aufregen, das Spiel ist immer noch aktuell, beliebt und wird weitere Updates bekommen. Auch nachdem die Zahl an Spielern zurückgegangen ist, gibt es genügend Spieler, die gespannt und geduldig auf neue Features wie Pokemon-Tausch und den direkten Kampf gegen andere Spieler warten.

Und für Spieler, die zum neuen Semester nach Leipzig kommen: Auch für unsere Stadt gibt es auf den sozialen Netzwerken genügend Gruppen mit Tipps und Tricks, wo die besten Ecken für seltene Pokemon sind. Mein persönlicher Tipp ist allerdings der Clara-Zetkin-Park, der für die Trainer von Wasser-Pokemon ein wahrer Himmel ist.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s