Schlechte Buchverfilmung – „Der Hobbit – Die Schlacht der Fünf Heere“

Text by Niklas.

Als Peter Jackson bekannt gab, dass er Tolkiens Erstling in ebensolch‘ drei Teilen wie den Ring-Zyklus verfilmen würde, ahnte die Fangemeinde wenig Gutes. Ein wenige hundert Seiten starkes Kinderbuch, ausgelegt auf die gleiche Bandbreite wie Frodos epische Reise zum Schicksalsberg?
Auch wenn der Druck wohl vor allem von Seiten des Studios MGM kam, welches zu diesem Zeitpunkt mitten in einem Sanierungsprozess war und etwas Blockbuster-Geldregen dringend nötig hatte, dürfte diese Entscheidung sehr viele unangenehme Längen in den Filmen verursacht haben. Der „Hobbit“ sollte eigentlich nur die Vorgeschichte des „Herrn der Ringe“ ins Kino bringen und gleichzeitig eine Überleitung zu den kommenden, umwälzenden Ereignissen schaffen. War der erste Teil noch eine hübsche, kleine Abenteuergeschichte, langweilte mich der endlose Monolog von Smaug im Zweiten zu Tode. Zwanzig Minuten ununterbrochene Screentime sind selbst für einen gestandenen Benedict Cumberbatch nicht auszufüllen, wenn er im Wesentlichen nur Drohungen aneinander reihen darf. Der Dritte Teil jedoch war schon fast eine Beleidigung für jeden Mittelerde-Fan.

Seltsam blutleere Schlachtgewalten
Natürlich verlangt eine „Schlacht der Fünf Heere“ nach Dramatik, Lärm und großen Bildern, aber der Kampf um den Einsamen Berg schwankte ständig zwischen Pathos und einer Lächerlichkeit, die versuchte dem Kindlichen der Buchvorlage gerecht zu werden. Wenn ein Zwergenkönig auf einem Schwein in die Schlacht reitet, kann ich das ebenso wenig ernst nehmen wie einen tumben Troll, der als lebender Rammbock Mauern niederreißt und dabei wie ein tapsiger Panda animiert worden ist. Da nützt es auch nichts, ein schreiend offensichtliches CGI-Gewitter abzufackeln. Alles blinkt, selbst ein dreckiger Wollballen glänzt im Licht einer fernen Kerze wie elbisches Zierglas und Legolas beweist, dass ihn die Gesetze der Physik in seinen jüngeren Jahren noch weniger interessierten. Es schreit mir „Epic! Epic!“ ins Gesicht, aber ich bin einfach zu sehr mit Lachen beschäftigt, um darauf zu achten. Ebenfalls unverständlich, warum die Orks plötzlich riesige Würmer aus dem Hut zaubern mussten, um sich rechtzeitig zum großen Hauen und Stechen unter den Bergen durchzugraben. Ihre Armee hätte problemlos durch die riesigen Logiklöcher gepasst, mit der die Story mittlerweile bestückt war. Und da war ihr Anführer, der im Buch schon lange tot ist, noch das geringste Problem. Kaum nötig zu erwähnen, dass der eigentliche Protagonist Bilbo Beutlin zwischen all diesem Getöse völlig unterging.

Weniger ist mehr
Schlussendlich hatte der Film auch einige interessante Momente zu bieten. Ein kleiner Blick auf die Ork-Hauptstadt Gundabad und die Vertreibung Saurons aus dem Düsterwald überzeugten mit den Fäden, die sie zur Handlung um den geschichtlich nachfolgenden Ringkrieg legten. Er taugte jedoch weder als Überleitung zu den älteren Filmen noch als Abschluss des „Hobbits“. Auf zwei Teile komprimiert, wäre diese Buchverfilmung mit Sicherheit flott, unterhaltsam und mit stellenweise aufblitzendem tieferen Sinn eine würdige Ergänzung zu Peter Jacksons Version des Mittelerde-Kosmos gewesen. Wegen dieser Verwurstung des Stoffes  aber muss ich nun meine alten Bilder im Kopf sorgsam vor dem Grauen des CGI-Geflimmers schützen, wenn ich wieder im „Hobbit“ blättere.

hobbit bild

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