Schlechteste Buchverfilmungen – Edelstein-Trilogie

Text by Reni.

Wer den dritten Teil im Kino noch nicht gesehen hat, es aber noch plant, sollte hier aufhören zu lesen. Das ist mein Ernst. Ich werde spoilern!

2009 erschien beim Arena-Verlag erstmals Rubinrot, geschrieben von Kerstin Gier, und bildete damit den ersten Teil der Edelstein-Reihe. In dieser Reihe geht es um Gwendolyn Shepherd, die kurz nach ihrem 16. Geburtstag zufällig herausfindet, dass sie, und nicht wie gedacht ihre Cousine, ein Zeitreisegen trägt und mit diesem unkontrolliert durch die Zeit springt. Einzige Rettung: Die Loge des Grafen von St. Germain und deren Chronograf, mit dessen Hilfe die Zeitsprünge kontrolliert werden können. Diese Loge esoterikbesessener Pseudowissenschaftler und fanatischer Geheimniskrämer wurde vom Grafen St. Germain im 17. Jahrhundert gegründet, der das Blut aller Zeitreisenden (zwölf insgesamt) in den Chronografen einlesen will, um daraus ein „Allheilmittel“ zu erschaffen, das die Welt zum Besseren verändern soll. Das Problem: Keiner aus der Loge (außer dem Grafen) weiß, was dieses „Allheilmittel“ sein soll und wie es wirklich wirkt, bis auf Gwendolyns Cousine Lucy, doch die ist in die Vergangenheit verschwunden.
Natürlich darf bei einer YA Fantasy-Story auch die Liebesgeschichte nicht fehlen: Gwendolyn verliebt sich in Gideon de Villiers, den Elften aus der Reihe der Zeitreisenden. Ihr On-Off-Liebesdrama bildet den 2. Hauptplot, der spätestens ab Smaragdgrün mit den Weltrettungs-Plot verschmilzt.
Die Bücher sind großartig, wenn auch mit kleinen Logikfehlern. Vor allem schon wegen Xemerius, der ab Ende von Rubinrot als Nebenfigur hinzustößt, sind diese drei Bücher jedoch absolut lesenswert. Doch ich will hier nicht über die Bücher schreiben, Thema ist ja die Buchverfilmung.

Im März 2013 kam der erste Teil ins Kino, als deutsche Produktion unter der Regie von Felix Fuchssteiner. Die Rolle der Gwendolyn übernahm Maria Ehrich, Gideon wird von Jannis Niewöhner gespielt. An ihre Seite gesellten sich bekannte deutsche Schauspieler wie Katharina Thalbach als Tante Maddy, Veronica Ferres als Gwendolyn „Mutter“, Kostja Ullmann als James Pimplebottom und Josefine Preuss (die auch die Hörbücher eingelesen hat) als Lucy Montrose. Klingt nach einem guten Cast, doch leider rettete das die Umsetzung der Bücher nicht.
Schon von der ersten Minute an weicht der Film vom Buch ab. Okay, denkt man sich als Leser, haben sie vielleicht der Spannung wegen gemacht, kann man noch verkraften. Das der Zeitsprung zu Lady Tilney im Film vorgezogen wird, von mir aus (auch wenn ich sagen muss, dass ich kurz geschockt war, dass Xemerius’ Auftritt hier herausgeschnitten wurde). Spätestens beim zweiten geplanten Zeitsprung im Film (der Erste im Buch) hat man sich beruhigt, läuft doch die Handlung endlich wieder so wie im Buch. Leider zu früh gefreut, denn nach dieser Szene kann man sich getrost von der Handlung des Buches verabschieden, musste sich hier doch die Drehbuchautorin selbst verwirklichen und ihren eigenen Plot erfinden – wer will schon das Buch eins zu eins verfilmt sehen?
Gideon und Gwendolyn brechen deshalb auch gleich Mal nachts ins Archiv der Loge ein, überreden Mr. George zu einem heimlichen Zeitsprung in die Vergangenheit, um dort Dokumente der Loge zu entwenden, wo aus Versehen Gwendolyn von einem Turm stürzt, unten aufwacht, um gleich darauf den Erfrierungstod zu sterben, zurück in ihre Zeit springt und dann dort wieder erwacht. Klar, nehmt doch einfach die Handlung aus dem dritten Teil und packt ihn in den ersten – merkt ja keiner. Und wofür brauchen wir bitte den Überraschungsmoment erst in Smaragdgrün? Da lassen wir uns einfach was anderes an dieser Stelle einfallen.
Saphirblau ist leider nicht besser umgesetzt. Wir folgen Gwen und Gideon zurück zu Lucy und Paul um mehr über den Diebstahlgrund des ersten Choreografen zu erfahren und auf dem Rücksprung landen die beiden in der Kirche, in der nun endlich auch Xemerius Teil des Cast wird (gesprochen von Rufus Beck). Gideon schleicht sich nachts zu Gwendolyn ins Zimmer (durchs Fenster – sie wohnt in der dritten Etage, liebe Drehbuchautoren!!!) und die beiden werden von Gwens „Mom“ erwischt beim Knutschen. Später darf Gwendolyn dann Benimmunterricht bei Charlotte nehmen – Mister-Nur-Giordano wurde bedauerlicherweise gestrichen – bevor sie und Gideon Sex auf einer ihrer Zeitreisen haben auf Cousine Sofa – ich frag schon gar nicht mehr nach den Buchstellen. Wie im Buch geht es für die beiden dann zur Soiree mit dem Grafen, wo Gwendolyn erst den Rock fallen lässt, dann Time Warp aus The Rocky Horror Picture Show schmettert (vielleicht war Memory einfach zu schwer für Maria Ehrich – was weiß ich schon, ich hab ja nur das Buch gelesen), bevor sie dank Pfefferspray die florentinische Allianz vertreibt. Zuhause findet Gwen den zweiten Chronografen und reist als erstes zu Lucy und Paul, die Gwen eröffnen, dass sie ihre Eltern sind. Wenig später erfahren wir das gleiche noch einmal von der Hebamme. Am Ende folgt der Besuch beim Grafen und das Zerwürfnis mit Gideon wie im Buch.
In Smaragdgrün wurde versucht, alles, was vorher schon schief gelaufen war, irgendwie noch zu retten und logisch einzubetten – naja, über Logik lässt sich bekanntlich streiten. Mr. Whitman, auch bekannt als das Eichhörnchen, wird vom Grafen persönlich zum Großmeister ernannt. Die Loge ergreift die Kontrolle der Finanzwelt, ein Bankencrash wird inszeniert, bei dem nur die De-Villiers-Bank und die St.Germain-Bank ohne Verluste überleben, trotzdem aber erstmal die Konten ihrer Kunden einfrieren. Es kommt zu Protesten in der ganzen Stadt. Derweil rettet Gwendolyn gemeinsam mit Lucy James dank Impfung gegen Pocken und Gideon findet heraus, das Gwen sterben muss und konfrontiert damit den Grafen, der ihn in den Kerker verbannt. Da wird er fortan als Brieftaube zwischen dem Grafen und Mr. Whitman hin- und herelapsiert. Gwen, die von ihrer Cousine verraten wurde, diese aber das dann doch wieder gut macht, indem sie die Herren der Loge verprügelt, muss flüchten. Mr. Bernard, der Butler, hilft ihr und gemeinsam fliehen sie nach Schottland in Lucy und Pauls Chateau. Hier enthüllt sich übrigens auch das Verwandtschaftsverhältnis zwischen Gwen und Mr. Bernard. Gwen wird von Mr. Whitman erpresst: Sie soll den Chronografen der Loge übergeben um damit Gideon zu retten. Da sie ihn ja liebt, folgt sie der Anweisung und beide reisen in die Vergangenheit und übergeben dem Graf den Chronograf und der Graf trinkt das Elixier der Unsterblichkeit, nachdem er den Blutkreis geschlossen hat. Nebenbei erschießt er noch Gwendolyn und Gideon. In Schottland wird Gideon begraben und Gwendolyn testet ihre Unsterblichkeit aus, indem sie sich von ihrer Cousine erstechen lässt. Da sie nur sterben kann, wenn sie sich selbst umbringt (steht ja auch so im Buch), will sie von der Klippe springen und wünscht sich dabei, bei ihren Eltern zu sein. Unerwartet springt sie in genau diesem Moment in der Zeit und landet ganz zufällig bei Lucy und Paul. Die finden dann heraus, dass Gwendolyn ihre Zeitsprünge mit genügend Konzentration selbst kontrollieren kann – die perfekte obskure Lösung, um Gideon doch noch zu retten und den Grafen zu besiegen. Sie reist zurück und entreißt dem Grafen das Elixier, zerstört den zweiten Chronografen – wodurch der Graf eigenartigerweise auch stirbt – und träufelt das Elixier auf Gideons Schusswunde, um ihn zu heilen. Happy End und alle freuen sich – naja, bis auf uns Leser…

Wenn ihr die Bücher lest, schaut euch die Filme nicht an oder wenn, dann nur zum Lachen. Es ist einfach traurig, was aus diesen wundervollen Büchern gemacht und wie sehr der Plot verändert wurde für den Kommerz. Man muss nicht jeden tollen Stoff zerpflücken, nicht alles muss verfilmt werden. Mir tut es Leid um die guten Bücher und es ist traurig, wenn Autoren dies mit ihren Rechten machen lassen, nur um mehr Geld zu verdienen.

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