High Rise

Text by Franzi.

‚As he sat on his balcony eating the dog…‘; allein schon der erste Satz des Roman ‚High Rise‘ vermittelt dem Leser, dass dieses Buch nichts für schwache Nerven ist.
Der Roman ‚High Rise‘ von J.G. Ballard wurde 1975 veröffentlicht und 2015 verfilmt. Da ich an dem Film interessiert war, dachte ich mir, dass ich zuerst das Buch lesen sollte. Den Film muss ich mir noch ansehen, aber über das Buch kann ich einiges erzählen.

Die Geschichte von ‚High Rise‘ wird aus den Perspektiven der drei Hauptfiguren erzählt; der frisch geschiedene Dr. Robert Laing, der Filmemacher Richard Wilder und der Architekt des titelgebenden Hochhauses Anthony Royal.
Diese drei Männer wohnen zusammen mit ca. 2000 anderen Menschen der High Society in einem Hochhauskomplex der Extraklasse. Dieses Hochhaus hat wirklich alles, was man sich wünschen kann, Schwimmhallen, Schulen, Supermärkte, etc. Man müsste das Gebäude eigentlich nicht mehr verlassen. Das denken auch die Bewohner des Gebäudes.
Nachdem die letzten Wohnungen des High Rise vermietet sind, kommt es schon zu den ersten Vorfällen. Der Strom fällt aus, die Klimaanlagen funktionieren nicht mehr, die Wasserleitungen sind kaputt und die durch Schlaflosigkeit geplagten Bewohner der verschiedenen Stockwerke fangen an, sich zu bekriegen. Das Luxushochhaus wird zum Schauplatz des absoluten Wahnsinns.

Ballard beschreibt gekonnt jedes Detail des Verfalls des Hochhauses und seiner Bewohner. Langsam aber sicher verlieren die Menschen ihren Verstand. Kein Bewohner verlässt mehr das Gebäude und wer nicht von seinem Nachbarn erschlagen wird, der verhungert. Es wird angedeutet, dass die Bewohner des High Rise sich zum Kannibalismus wenden. Keiner wäscht sich mehr oder bringt den Müll raus (über den Balkon werfen gilt nicht). Es wird auf Müllsäcken geschlafen und im absoluten Dreck gelebt. Die Hauptfiguren lieben es. Sie wissen ganz genau, dass irgendetwas nicht stimmt, doch entweder ist es ihnen total egal oder sie lieben es.
Alles geht den Bach runter. Menschen sterben, werden getötet oder lassen ihren Gelüsten freien Lauf. Während Dr. Laing eine Art inzestuöse Beziehung mit seiner Schwester eingeht und dann noch eine andere Bewohnerin in diese Beziehung bringt, will Wilder das höchste Stockwerk erreichen. Was aus dem Architekt des Hochhauses wird, verrate ich nicht. Ich sage nur, dass es kein schönes Ende ist.

Allgemein kann man bei diesem Buch kein gutes Ende erwarten. Das war auch mein Fehler. Seite für Seite habe ich mich gefragt, ob es noch schlimmer werden kann. Und es wurde schlimmer. Ich musste beim Lesen längere Pausen einlegen, da mir langsam schlecht wurde. Vielleicht bin ich bei Gore und Horror einfach empfindlich, das gebe ich zu.
Mein Fazit ist also: Nichts für schwache Nerven. Wen Tod, Kannibalismus, Perversion und Wahnsinn nicht abschrecken, dem kann ich dieses Buch wirklich nur empfehlen. ‚High Rise‘ hat mich noch Wochen später zum Zittern gebracht, was wirklich für das Werk spricht. Es ist gut geschrieben und hinterlässt noch lange Zeit später Spuren beim Leser. Für diejenigen, die jetzt interessiert sind und dieses Buch lesen möchten, hier noch eine kleine Warnung (vielleicht sogar ein Spoiler): Es gibt kein Happy End.

high-rise

Titel: High Rise
Autor: J.G. Ballard
Verlag: Liveright

deutscher Kinostart Romanverfilmung: 30. Juni 2016

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