Ein ganzes halbes Jahr

Text by Reni.

Ob Nicholas Sparks, Cecilia Ahern oder Jodi Picoult … es gibt tausende Autoren, die den Buchmarkt mit ihren Liebesromanen überschwemmen und die Herzen tausender Leser verklären. Jeder Roman scheint kitschiger als der Vorhergehende, jeder vorhersehbarer als der Letzte. Wieso also mehr als einen lesen? Kennst du einen, kennst du alle … Doch manchmal überraschen uns Autoren mit ganz besonderen Geschichten, für die es sich dann doch lohnt, ab und zu einen Abstecher zum Belletristik-Regal zu machen.

Ich lese seit Jahren kaum noch Liebesromane, schon allein, weil sie einen im Nachhinein noch einsamer machen, als man sowieso schon ist. Es gibt einfach zu wenige Märchenprinzen auf der Welt oder aber meiner gehört zu der besonders langsamen Sorte. Dass ich dann doch dieses Buch gelesen habe, lag einzig und allein am anstehenden Kinostart der Romanverfilmung von Ein ganzes halbes Jahr mit niemand anderem als Sam Claflin in der männlichen Hauptrolle. Bei diesem Schauspieler kommt bei mir das Fangirl durch – wer Tribute von Panem gesehen hat und/oder Love, Rosie wird mich verstehen.
Nun kannte ich das Buch schon aus der Buchhandlung sowie aus den Händen zahlreicher Frauen, die es in der S-Bahn lasen, und dachte mir, so ganz unvorbereitet kann man ja nicht in den Film gehen – man sollte wenigstens wissen, worauf man sich einlässt. Gesagt, getan. Ich erstand eine Taschenbuchausgabe des Romans (ich bin Student, ich muss auf mein Geld achten – fragt meine Eltern!!) und begann zu lesen.
Es gibt wenige Bücher, bei denen ich in meinem Leben geheult habe – ich heule eher bei Filmen (nur den guten natürlich). Um es genau zu nehmen, habe ich erst bei neun Büchern geheult, zehn mit diesem, darunter Harry Potter und der Halbblutprinz (JKR), Die Bücherdiebin (Markus Zusak), The Siren (Kiera Cass) und The Fault in our Stars (John Green). Keines dieser Bücher kam allerdings bisher an die Anzahl an Taschentüchern ran, die für das Ende dieses Romans draufgingen – mehrmaliges Lesen ausgenommen. Doch von vorn:

Ein ganzes halbes Jahr erzählt die Geschichte von Will Traynor und Louisa Clark, die, welch Überraschung, genau ein halbes Jahr gemeinsam verbringen. Will ist nach einem Unfall vom Hals ab gelähmt und an einen Rollstuhl gefesselt. Da er vorher sein Leben eher in vollen Zügen genossen und alle möglichen Action-Sports betrieben hat, ist dieser Zustand für ihn verständlicherweise nicht gerade besonders toll. Um ihn davon abzulenken, engagiert seine Mutter Louisa, eine arbeitslose Kellnerin. Ihre Liebesgeschichte folgt der klassischen Plotline von Stolz und Vorurteil – beide müssen jede Menge Hindernisse und Vorurteile beiseite schaffen, bevor sie zueinander finden. Allerdings nimmt ihre Geschichte im Gegensatz zu der von Elizabeth und Mr. Darcy kein gutes Ende, denn Will wird die aktive Sterbehilfe in einem Hospiz in der Schweiz in Anspruch nehmen.
Was ich an diesem Buch besonders mag, ist nicht die Handlung (die ist ja nie besonders wichtig in Liebesromanen, solange sich das Paar am Ende findet), sondern die Charaktere. Ich liebe Louisa, die ebenso ein verrücktes Huhn ist wie ich. Sie sieht die Welt nicht wirklich wie sie ist, sondern eher wie sie sein könnte. Zwar fehlt ihr oft die gewisse Erziehung, was aber nicht heißt, dass Louisa nicht intelligent ist – im Gegenteil. Viele Dinge traut sie sich nicht zu, oft fehlt ihr dazu auch das nötige Selbstvertrauen, ist sie doch im Schatten ihre hochbegabten Schwester aufgewachsen, die immer alles besser konnte. Und doch geht sie ihren Weg und setzt sich durch, wenn es nötig ist, vor allem gegenüber Will.
Dieser ist nicht halb so grantig, wie er anfänglich erscheint. Um ehrlich zu sein, wäre ich genauso genervt, wenn ich in seiner Haut stecken müsste. Sobald Will jedoch auftaut, verliebt man sich schnell in ihn und mag ihn nur noch mehr, wenn man all die Kleinigkeiten bemerkt, die er für Louisa tut.

Im Nachhinein, nachdem ich meine Tränen getrocknet und ein paar Tage darüber geschlafen hatte, muss ich sagen, dass ich diese Buch wirklich sehr mochte und nun kaum die Verfilmung erwarten kann. Die Liebesgeschichte der beiden ist einfach unglaublich schön gewesen und hat gezeigt, dass das Leben nicht immer Schwarz und Weiß sein muss und dass man jeder Situation etwas Positives abgewinnen kann. Den zweiten Teil des Buches, so habe ich für mich entschieden, muss ich allerdings nicht lesen – mir hat es gereicht, den Plot auf Wikipedia nachzulesen (ich weiß, Schande über mich – aber ganz ehrlich, wenn ein Buch zu Ende ist, dann sollte auch Schluss sein, selbst wenn die Fans noch so sehr betteln – das gilt natürlich nicht für JKR).
Wer also in nächster Zeit einen schönen kitschigen Liebesroman ohne Happy End, dafür aber mit Tiefgang sucht, sollte dieses Buch lesen. Wichtig aber: Ihr braucht mindestens eine Packung Taschentücher, die spätestens ab Kapitel 24 auf ihren Einsatz wartet.

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Titel: Ein ganzes halbes Jahr
Autorin: Jojo Moyes
Verlag: Rowohlt

Kinostart Romanverfilmung: 23. Juni 2016

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