Panini Comics – Interview mit Steffen Volkmer

Text by Laurii und Franzi.

Wir haben schon von vielen kleinen Verlagen berichtet und darüber, wie diese arbeiten. Doch wie sieht es mit einem der „großen“ Verlage aus? Besonders hat uns da Panini Comics interessiert. Wie man vielleicht schon aus vorigen Beiträgen von uns erahnen kann, haben wir Comics sehr ins Herz geschlossen.

Auf Anfrage von uns hat sich der PR- & Press-Manager Steffen Volkmer dazu bereit erklärt, uns in einem Interview einige Fragen zu verschiedenen Themen zu beantworten.

Wie schafft ihr es, Zeichner zu motivieren, exklusive Cover für Panini zu gestalten? – Beispiele: „Doctor Who – Der wilde Planet“ (der zwölfte Doctor) zusammen mit Elena Casagrande.
Die meisten Zeichner tun das sehr gerne und müssen nicht großartig motiviert werden. Fast immer steht das auch in Zusammenhang mit einem Besuch einer Messe in Deutschland, was durchaus auch schon eine Motivation darstellt, und außerdem bekommen sie auch etwas für die Arbeit gezahlt. Probleme bei Exklusiv-Covern gibt es eigentlich nur, wenn die Zeit bei den Künstlern knapp ist, oder die Lizenzgeber etwas dagegen haben. Aber letztere sind in der Regel sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit mit uns, und wir sind inzwischen erfahren genug, um das Arbeitspotenzial der Zeichner richtig einschätzen zu können.

Wie war die Zusammenarbeit mit Daniela Schreiter (Zeichnerin und Autorin von Schattenspringer)? Kamt ihr auf sie zu oder sie auf euch?
Wir scannen immer die Szene nach neuen Produkten und neuen Talenten. Auf Daniela bin ich im Internet aufmerksam geworden. Ich habe ihre Arbeit dann hier intern vorgestellt (das passiert mit allen neuen Ideen) und nach einem allgemeinen Okay die Zusammenarbeit mit ihr aufgebaut. Daniela ist eine tolle, nette und sehr professionelle Künstlerin, mit der man super zusammenarbeiten kann. Bestimmte Abläufe bei ihr sind aufgrund ihres Autismus‘ zwar anderes als bei anderen Künstlern – zum Beispiel kann man sie nicht von heute auf morgen für eine Signierstunde verpflichten – aber da wir uns ganz langsam an das Projekt herangetastet haben, hat Schattenspringer für beide Seiten hervorragend funktioniert und ist zudem noch enorm erfolgreich geworden.

Wie entscheidet man bei einer Übersetzung, was ins Deutsche übersetzt wird und was Englisch bleibt? – Beispiele: Du/Sie Problematik bei „Doctor Who“.
Speziell bei Doctor Who haben wir uns an der TV-Serie orientiert. Generell versuchen wir aber, soweit möglich Übersetzer und Redakteure an Produkten arbeiten zu lassen, die selbst Fans sind und ein Gespür dafür haben, wie die Dinge übersetzt (oder eben nicht) werden sollen. Da gibt es viel Kommunikation und auch mal Diskussionen … und über die Zeit auch schon mal Veränderungen (zum Beispiel wurde bei den Superhelden früher viel mehr eingedeutscht als heute). Es geht darum, den Zeitgeist zu treffen, eventuelle Vorgaben im Blick zu haben und den Ton den Charakteren anzupassen, aber auch den Lesegewohnheiten der Fans. Allen kann man es zwar nie rechtmachen, aber wir geben uns bei den Übersetzungen größte Mühe und machen es uns nicht leicht.

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Wie läuft eine Zusammenarbeit (Lizenzverhandlungen) mit einem amerikanischen Comic- Verlag ab, z.B. Marvel, DC oder Vertigo?

Wir sehen ein Produkt, dass wir haben wollen und fragen bei Lizenzhalten an, was das

kosten würde oder geben ein Angebot ab – das ist der normale Weg. Speziell bei DC und Marvel haben wir aber lang laufende Verträge, die es uns ermöglichen, aus dem US-Programm zu schöpfen, ohne immer neu verhandeln zu müssen.

Bei einem Interview von euch mit den Rocket Beans wurde erwähnt, dass die Lizenzverhandlungen bei „Doctor Who“ mit Titan Comic lang und schwierig waren. Könnt ihr uns einen kleinen Einblick dazu geben?
Ja, das hat sehr lange gedauert, bis die BBC die Lizenz an uns gegeben hat. Das hatte damit zu tun, dass die Comic-Lizenz von IDW in den USA zu Titan in England wechselte, und da viele Dinge geregelt werden mussten, wer welches Material weiterlizensieren darf. Bis das geklärt war, Verantwortlichkeiten geregelt wurden und dann ausreichend neues Material von Titan zur Verfügung stand, hat es insgesamt fast drei Jahre gedauert. Ich schätze, wir sind mit unserer ersten Anfrage einfach nur zu einer echt unglücklichen Zeit gekommen – aber wir haben uns ja nicht abschrecken lassen und hartnäckig bis zum Erfolg weitergegraben.

Panini wird noch nicht oft mit franko-belgischen Comics in Verbindung gebracht. Seit neuster Zeit habt ihr eben diese Comics im Programm. Wie kamt ihr darauf, diese ins Programm aufzunehmen? Beispiel: „Der Krieg der Knirpse“.
Der Kuchen an interessanten Lizenzthemen ist eigentlich weitestgehend aufgeteilt und es wird immer schwerer, neue Themen an Land zu ziehen. Da muss man sich umschauen und auch im Portfolio flexibel bleiben. Früher hätte sich auch niemand vorstellen können, dass Panini inhaltlich höchst anspruchsvolle Graphic Novels oder Comics mit deutschen Künstlern macht. Aber wir tun es und das ziemlich erfolgreich, also war die franko-belgische Schiene letztlich nur eine logische Konsequenz, um das Programm breiter aufzustellen und uns als Verlag noch besser zu positionieren.

Bei „Batgirl – Die neuen Abenteuer“ Band 1 wurden viele verschiedene Farben verwendet, ohne dass der Comic zu teuer wurde. Wie schafft ihr es, dass das Budget bei so aufwendigen Produktionen mit vielen Farben und hochwertigem Papier nicht überschritten wird?
Das schaffen selbst wir leider nicht immer. Das hängt letztlich von der Lizenz, den Produktionskosten und den zu erwartenden Verkäufen ab. Je nachdem, an welcher Schraube man da drehen kann, ist mehr möglich oder auch nicht. Es gibt zugegebener Maßen genau aus dem Grund auch einige Produkte, die in der Ausstattung runtergefahren werden mussten, oder sich am Ende ganz nicht kalkulieren ließen und deshalb nicht gemacht werden konnten.

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Wir danken Steffen Volkmer für seine Zeit und das Interview, und hoffen, dass Panini Comics auch weiterhin so wunderbare Comics produziert.

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