Der Nachtzirkus

Text by Reni.

Fragt man mich, welches mein Lieblingsbuch ist, antworte ich als verschworener Potterhead natürlich als erstes Harry Potter (übrigens finde ich den fünften Teil am besten), doch mein zweitliebstes Buch ist „Der Nachtzirkus“ von Erin Morgenstern. Dieses Buch ist das erste, welches der Harry-Potter-Reihe für mich am nächsten kommt, ja fast gleichgestellt in seiner Qualität ist. Bücher, die nicht gut geplottet oder nicht wenigstens an eine Heldenreise angelehnt sind, lege ich normalerweise schnell weg und mache mir nicht die Mühe, sie fertig zu lesen. Es gibt dafür zu viele gute Bücher, die noch von mir gelesen werden wollen. Aber von vorn:

Stellt euch einen Zirkus vor. Einen Zirkus nur in schwarz und weiß. Statt aus einem Zelt besteht der Nachtzirkus aus mehreren großen und kleinen gestreiften Zelten, die durch Gänge miteinander verbunden sind. In der Mitte befindet sich ein Platz, auf dem im Zentrum ein weißes Feuer in einem schmiedeeisernen Gestell brennt. Immer. Es erlischt nie. In den verschiedenen Zelten findet der Besucher unterschiedlichste Vorstellungen und Attraktionen. So gibt es ein Zelt mit Trapezkünstlern und Luftakrobaten, eins, in dem Dompteure mit Raubkatzen auftreten. Doch es gibt auch Zelte, in denen sich ein echter Eisgarten befindet, einer, in dem lebendige Origamifiguren aus dem Nebel auftauchen, oder eins, in dem sich ein Wolkenlabyrinth befindet. Jedes ist einzigartig, jedes entführt den Besucher in eine andere Traumwelt. Geöffnet hat der Nachtzirkus nur von Sonnenuntergang bis kurz vor Sonnenaufgang, eine perfekte Traumwelt eben.
„Der Zirkus kommt überraschend“ – so beginnt die Geschichte. Eine Geschichte, die den Leser in eine Welt entführt, die im Zeitraum von 1873 bis 1903 spielt, an den unterschiedlichsten Orten der Welt. Zentrale Punkte sind dabei London, New York und Concord, doch vor allem der schwarz-weiße Nachtzirkus. Aber zurück zur Handlung. Die Geschichte handelt von Celia und Marko, die, ohne zu wissen, um was es wirklich geht, miteinander in einem magischen Wettstreit stehen, zu dem sie von ihren jeweiligen Lehrmeistern unfreiwillig verpflichtet werden. Anfangs kennen sie ihren jeweiligen Gegner nicht, doch dies ändert sich bald und der Wettstreit wird komplizierter, denn leidenschaftliche Gefühle entwickeln sich zwischen den beiden. Gemeinsam mit ihnen erlebt der Leser die Entstehung des Nachtzirkus chronologisch, während die Autorin eine weitere Plotline einführt, die dem Jungen Bailey folgt, der nichts mehr liebt als den Nachtzirkus. An Baileys Seite stellt die Autorin Poppet und Widget, Zwillinge, die in der Eröffnungsnacht zur Welt kommen und feuerrote Haare haben. Dank ihnen lernt Bailey den Zirkus besser kennen und im Laufe der Handlung wird er seinen Platz in dieser Welt finden.
Neben beiden Plotlines streut Erin Morgenstern immer wieder Beschreibungen von Friedrick Thiessen ein, einem Uhrmacher aus München und dem ersten Reveur (wie sich die Stammgäste des Zirkus nennen), sowie Beschreibungen einiger Orte des Nachtzirkus, die direkt an den Leser gerichtet sind. Auch folgt der Leser an manchen Stellen den Erlebnissen einiger Charaktere, die an der Erschaffung des Nachtzirkus beteiligt waren. Doch alle verschiedenen Teile des Buches zeichnen für den Leser ein umfassendes Bild des Nachtzirkus und lassen ihn so real erscheinen, wie es nur Rowling mit Hogwarts gelang. Auch die Handlung ist genauso komplex geplottet wie Harry Potter und je öfter man das Buch liest oder dazu recherchiert, desto mehr entdeckt man.

Ich liebe dieses Buch und ich liebe den Nachtzirkus. Die Charaktere wirken so real, so komplex und viele so sympathisch. Egal, wie oft ich dieses Buch lese oder höre (denn mittlerweile musste ich mir auch das Hörbuch kaufen), immer wieder verliere ich mich im Nachtzirkus und wünschte, er wäre echt. Ich wünschte, ich könnte ihn betreten und die gesamte Nacht dort verbringen, eine weitere Reveuse sein, die in schwarz-weiß und rot (denn Reveurs tragen nur schwarz und weiß und ein rotes Accessoire als Erkennungszeichen) durch den Nachtzirkus flaniert. Meine Lieblingszelte sind der EISGARTEN und der TRÄNENTEICH, beides Zelte, die Marko für Celia erschafft und die nicht schöner sein könnten. Trotz der Grausamkeit des Wettstreites und der beiden Lehrmeister liebe ich das Ende und fiebere eigentlich mehr mit Bailey mit, als mit Marko und Celia, obwohl ich eine hoffnungslose Romantikerin bin.
Ich habe dieses Buch schon mehrfach verschenkt und empfohlen und immer wieder verliebt sich einer meiner Freunde auch in dieses wundervolle Buch, das zu Unrecht so wenig bekannt ist. Jeder Harry Potter Fan wird dieses Buch lieben und auch jeder, der die Magie in seinem Leben sucht und ihre Existenz niemals bestreiten würde (schon allein aus Angst, niemals seinen Hogwarts-Brief zu bekommen). Wer also etwas ganz Besonderes und Magisches sucht, ein Buch, das seinen Leser in sich einsaugt, der sollte unbedingt „Der Nachtzirkus“ von Erin Morgenstern lesen.

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Zur Autorin: Erin Morgenstern wurde 1978 in der USA geboren und wuchs in Marshfield Massachusetts auf. Sie studierte Kunst- und Theaterwissenschaft und lebt momentan in Manhattan. Seit der Junior High schreibt sie immer wieder kurze Geschichten. „Der Nachtzirkus“ ist ihr Debütroman, den sie im Alter von 32 beginnt. Sie liebt Adverbien und hat ein Faible für Kommas. Nebenbei bloggt sie auf ihrer Seite erinmorgenstern.com regelmäßig.

Titel/Autor: Der Nachtzirkus (Original: The Night Circus) von Erin Morgenstern
Verlag/Jahr/ISBN: Ullstein Taschenbuch Verlag, 2013 (Original: 2011), 978-3-5482-8549-8

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