Bücher für Fans tiefgründiger Jugendromane

Text by Marie.

Die Pubertät wird häufig als eine der problematischsten Phasen unseres Lebens beschrieben. Die Protagonisten vieler Jugendromane fallen in regelrechte Löcher und erleben Sinnkrisen, die Stoff für spannende und tiefgehende Bücher bieten. So zum Beispiel auch Edgar Wibeau, der Hauptcharakter in Ulrich Plenzdorfs „Die Leiden des jungen W.“.
Wer Lust auf die Gedankenwelt junger Menschen hat, ohne in triefenden, pinken Kitschromanen über die erste große Liebe zu versinken, sollte die folgenden Bücher nicht verpassen.

Die Sache mit Christoph
Der ebenfalls 17-jährige Martin verliert bei einem Fahrradunfall seinen Freund Christoph. Doch war es wirklich ein Unfall oder wollte Christoph sich das Leben nehmen, um der harten Realität des Erwachsenwerdens zu entfliehen? Auf diese Frage sucht Martin im Verlaufe des Buches eine Antwort, versucht einen Weg zurück in ein Leben ohne Christoph zu finden und löst sich dabei immer mehr von dem Einfluss, den sein verstorbener Freund auf ihn hatte.
Wie auch Edgar aus Plenzdorfs Roman stecken die Protagonisten in einer jugendlichen Sinnkrise. Christoph widmet sich vollkommen der Musik, um den, laut ihm, sinnlosen Anforderungen seiner Eltern und der Gesellschaft zu entkommen. Durch seine melancholische und abweisende Art wird er schnell zum Außenseiter. Auch Martin ist ein nachdenklicher Junge, wenn auch kein Außenseiter wie Christoph, der sich ebenfalls für Musik interessiert. Seine Freundschaft zu Christoph beeinflusst seine Gedankenwelt stark, da Christoph eindeutig der dominantere Part in ihrer Freundschaft ist.
Insgesamt ist der Roman eine absolute Empfehlung für alle, die Plenzdorfs Werk genossen haben. Man erinnert sich daran zurück, welch komplizierte Lebensphase die Pubertät doch ist und zugleich beschreibt Korschunow eindringlich einen Selbstmordfall aus tiefgehender Perspektive, nämlich aus der des besten Freundes. Wer Tiefgang ohne übertriebene Dramatik bevorzugt, ist hier genau richtig.

Autorin: Irina Korschunow
Titel: Die Sache mit Christoph
Verlag: dtv

Nichts
Als Pierre Anthon seine Mitschüler der 7a mit den Worten „Nichts bedeutet irgendetwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun“ zurücklässt, beginnt für die jungen Menschen eine Spirale aus Opfer, die mit Lieblingssandalen anfängt und bei der Jungfräulichkeit noch lange kein Ende gefunden hat. Sie wollen beweisen, dass es Dinge gibt, die Bedeutung haben. Doch als der „Berg der Bedeutung“, wie all die gesammelten Opfergaben bezeichnet werden, durch die Medien bekannt und schließlich an einen Künstler verkauft wird, behält Pierre Anthon recht: Warum sollten Dinge eine Bedeutung haben, die man sie gegen Geld bereitwillig eintauscht?
Zwar sind die Hauptcharaktere jünger als bei Plenzdorf und Korschunow, doch erleben sie ebenfalls eine Sinnkrise. Was hat überhaupt Bedeutung und wie weit gehen wir für Dinge, die uns wichtig sind? Teller schafft es dabei auf überragende Weise, Einfühlsamkeit und Grausamkeit zu vereinen und damit eine ganz besondere Atmosphäre zu schaffen. Ein Lesetipp für alle, die Stoff zum Nachdenken brauchen und vor drastischen Szenen nicht zurückschrecken.

Autor: Janne Teller
Titel: Nichts. Was im Leben wichtig ist
Verlag: Hanser

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