Verlag Torsten Low

Text by Franzi. 

Auf der Leipziger Buchmesse 2016 haben wir von Buchstudent viele interessante Verlage kennengelernt. Besonders aufgefallen ist uns u.a. der Verlag Torsten Low. Dieser phantastische Verlag brillierte vor Allem mit seiner Entstehungsgeschichte. Das Interview führten wir mit dem namensgebenden Autor Torsten Low.

Wie lange gibt es euch als Verlag eigentlich schon?
Uns gibt es seit 2005. Wir sind damit schon im elften Jahr.

Gibt es eine besondere Entstehungsgeschichte über euren Verlag?
Ja, es gibt eine Entstehungsgeschichte. Ich habe 2004 meinen ersten Roman geschrieben, „Dunkel über Daingistan“, und habe mir damals Gedanken gemacht, wie ich dieses Buch veröffentlichen kann. Dafür habe ich mich über die unterschiedlichsten Wege informiert, wie man zu einem Verlag kommen kann. Ich bin über einen Autorenratgeber eines Pseudo-Verlages gestolpert, der sich als Wutpamphlet gegen seriöse Verlage und als Loblied auf Druckkostenzuschussverlage entpuppt hatte.Ich habe leider zu diesem Zeitpunkt viel von diesem Blödsinn geglaubt. Die Dinge die ich später in meiner Verlagszeit gelernt habe, haben dieses Buch dann am Ende komplett relativiert. Aber ich bin erstmal diesem Blödsinn aufgesessen. Viel Geld wollte ich nicht ausgeben und zum Druckkostenzuschussverlag wollte ich auch nicht gehen. Dann dachte ich: Ach, dann lassen wir’s halt. Ich habe dieses Buch sowieso nur geschrieben, weil ich ein Buch schreiben wollte, so wie ich es gern gelesen hätte. Machen wir zwei Exemplare, eins für die gute Freundin, die Schuld daran war, dass ich es überhaupt geschrieben habe, und ein für meine eigene Schrankwand. Wir haben das dann von Hand gemacht, also handgebundene Hardcover. In einem Kurs haben wir das Buchbinden gelernt. In meiner Recherche bin ich dann über die ISBN gestolpert. Wenn man die kauft, muss man vier Pflichtexemplare herstellen, zwei für die Deutsche Nationalbibliothek, zwei für die Landesbibliothek. Dann gehört man zum deutschen Kulturerbe und ist quasi unsterblich. Das klang geil, das wollte ich haben. Also gesagt, getan; sechs Exemplare, statt zwei produziert, Pflichtexemplare abgegeben und dann war das erledigt. Dachte ich zumindest, bis besagte Freundin für das Buch Werbung gemacht hat und bei uns Bestellungen rein kamen, wo wir noch nicht mal wussten, wie viel das Buch kosten soll. Dann haben wir beide uns hingesetzt und haben eine Kalkulation gemacht, die fernab von Gut und Böse war, weil wir natürlich keine Ahnung von Buchkalkulation hatten. Wir waren ja totale Neulinge. An Dinge wie den Buchhandelsrabatt haben wir überhaupt nicht gedacht. Wir haben gedacht, wir kommen mit 16,90€ halbwegs hin. Tja, denkste. Wir sind sehr blauäugig an die Sache herangegangen.
Wir sind dann zum Gewerbeamt gegangen und haben zum 1. Juni 2005 unseren Verlag gegründet. Die ersten drei Jahre sind wir als Eigenverlag aufgetreten. Wir haben in der Zeit sehr viel gelernt über das Büchermachen, deshalb nenne ich diese Zeit auch meine Lehrzeit.
Wir sind dann auf Mittelaltermärkten herumgetingelt und anderen. Man sagt ja, wenn du nervös bist, sollst du dir dein Publikum nackt vorstellen. Ich sage, ich muss mir das nicht vorstellen, mein Publikum war nackt! Nacktlesung im Zuber.
Wir haben auf Parkplätzen vorm Mittelaltermarkt gelesen und aus dem Auto heraus Bücher verkauft. Es war verrückt, es war geil. Es hat süchtig gemacht. Und es zieht sich bis heute durch. Die Sucht ist immer noch da. Wir sind 30 Wochenenden im Jahr auf Veranstaltungen. Wir machen das als Familie. Meine Frau ist immer dabei, meine Tochter ist nur auf der LBM nicht dabei. Sie baut mit mir den Stand auf. Sie ist fünf. Sie hat das quasi mit der Muttermilch mitbekommen. Unsere Tochter ist in der Szene mittlerweile bekannt, sie ist unser Verlagsmaskottchen.

Es gibt sehr viele Fantasy-Romane hier an eurem Stand. Ist das eure Spezialisierung?
Unsere Spezialisierung ist Phantastik für Erwachsene oder ältere Jugendliche. So ab 14 aufwärts. Wir haben einige Sachen die sind explizit ab 18, wo wir auch sagen, das sind Bücher, die Jugendliche tatsächlich verstören.
Wir machen nicht nur so heftige Sachen, aber wir machen sehr viel düstere Sachen. Das ist wirklich unsere Spezialisierung.

Wie kommt ihr zu euren Autoren?
Sehr viele unserer Bücher sind Anthologien. Wir machen viele Ausschreibungen und machen eigentlich seit acht Jahren Anthologien. Wir sind da auch die Spezialisten mittlerweile dafür. Wir sind das siebte Jahr in Folge vom deutschen Phantastik-Preis im Bereich beste Anthologie nominiert. Wir haben ihn auch einmal tatsächlich gewonnen.
Wir sind seit Jahren auch für die beste Kurzgeschichte nominiert und haben ihn zweimal gewonnen. Wir sind der einzige Verlag der sieben Jahre in Folge überhaupt für die beste Anthologie nominiert war. Die meisten Verlage machen gar nicht so lange Anthologien, weil es sehr viel Arbeit ist. Aber für uns lohnt es sich einfach.

Habt Ihr Ratschläge für Leute, die einen Verlag gründen wollen?
Ja, viele. Das Wichtigste ist: Macht es als Familie. Als Einzelperson funktioniert es nicht. Wenn man sagt, ich mache es alleine und mein Ehepartner sitzt zuhause, meine Kinder sind zuhause, dann geht man nicht auf Veranstaltungen. Veranstaltungen sind das was es bringt.
Es ist wirklich wichtig, dass man als Verleger die Verantwortung hat, selbst aktiv hinter der Vermarktung zu stehen. Das Marketing muss vom Verlag her kommen. Deshalb machen wir auch so viele Veranstaltungen.

Fragen aus der Box unserer unkonventionellen Fragen:

Mit wem würden Sie gerne einmal Essen gehen?
Das ist schwer, denn wie man sieht, gehe ich sehr gerne Essen. (lacht) Wir sind sehr familiär mit unseren Autoren, wir gehen also auch sehr oft mit unseren Autoren Essen. Mit wem ich gerne einmal Essen gehen würde, wäre ein Autor, der zwar nicht in Deutschland ist, den wir aber trotzdem haben. Wir haben Peter S. Beagle gekriegt, der Mann der „Das Letzte Einhorn“ geschrieben hat. Mit dem würde ich gern mal Essen gehen.

Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?
Die Antwort fällt mir leicht. Ich würde wollen, dass diese einsame Insel nicht einsam ist, deswegen würde ich Internet mitnehmen. Dazu brauche ich natürlich meinen Laptop und meine externe Festplatte wo alle Verlagsdaten sind, denn ich würde meine Zeit auf der einsamen Insel nicht zum Baden nutzen, sondern dazu nutzen, geile, neue Bücher zu machen und den Kontakt zu meiner Autorenfamilie zu halten.

Wir danken Torsten Low für das Interview und wünschen ihm weiterhin viel Erfolg mit seinem Verlag.

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