Fürwahr, eine neue Hoffnung

Text by Niklas.

Der epische Kampf Gut gegen Böse, eine große Liebe, Intrigen, Schlachten und Sätze für die Ewigkeit – das sind die Zutaten, aus denen William Shakespeare seine Dramen wob. Und George Lucas. Was wäre, wenn sich diese beiden Genies des Geschichtenerzählen zusammen tun würden, gleichsam mittels einer Zeitmaschine ihre Talente vereinen und eine der größten Legenden der Gegenwart auf die Theaterbühne bringen?

Ian Doescher hat diese Aufgabe übernommen und mit der wunderbaren Konvertierung der Episoden IV und V in Theater-Textbücher ein humoristisches Kleinod geschaffen; der dritte Teil ist bereits auf Englisch erschienen. Die Bücher geben die gesamte Handlung ebenjener Filme in altmodisch geschriebenen Dialogen nach dem Muster eines Shakespeare-Stückes wieder. „Beiseite sprechen“ gehört  ebenso dazu wie sehr textlastige, äußerst keusche Liebesszenen und natürlich langatmige Monologe.
Nun lässt sich dennoch das Werk wie alle Theaterstücke weitaus weniger bequem lesen als ein Fließtext. Es muss zum Leben erweckt und gespielt werden, wenn es nicht nur als kleine, nie gelesene Kuriosität im Regal einer Fan-Sammlung enden soll. Panini hat auf der Buchmesse die Gelegenheit beim Schopfe ergriffen und den Kabarettist Jochen Malmsheimer zur Manga-Comic-Convention in Halle 1 geschickt, um aus „Das Imperium schlägt zurück“ vorzutragen. Beginnend mit Luke Skywalkers Absturz in den Sumpf von Dagobah schreit, fiept und wookied sich Malmsheimer mit unglaublicher Spielfreude durch verschiedene Textstellen. Dabei erklärt er hin und wieder die beschränkten, dem Medium Theater geschuldeten Regieanweisungen, durch welche viele Handlungen der Charaktere eine groteske Komik entwickeln. Selbst Yodas Grammatik fügt sich der Shakespeare’schen Erhabenheit und ein riesiger Weltraumwurm hält einen traurigen Monolog über seinen baldigen Hungertod, während Han und Leia nach endlosen, zum Publikum gesprochenen Beschreibungen ihrer Gefühle schließlich einen effektvollen Kuss austauschen. Malmsheimer stellt alle Figuren mit riesiger Spielfreude und sichtlich Spaß am absurden Text-Experiment dar, er begeistert das Publikum mit den Quietsch- und Grunzeinlagen von R2D2 und Chewbacca und schleudert den Millenium-Falken samt Insassen mit großem Körpereinsatz durchs Meteoritenfeld.

Nach einer grandiosen Stunde schließlich ist die Messe um ein Highlight reicher, Panini hat eine erstklassige Promotion für seine neuen Bücher abgeliefert und hinterlässt bei mir den wohl leider unerfüllbaren Wunsch, ein Schauspielhaus möge sich bitte dieser fantastischen Vorlage annehmen.

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