Gespräch mit einem Übersetzer – Thomas Brovot im Interview

Text by Ronja.

Thomas Brovot ist ein deutscher literarischer Übersetzer, der vor allem Werke aus dem Französischen, Spanischen und Portugiesischen ins Deutsche überträgt. Er gewann mit seiner Tätigkeit bereits mehrere Preise, zuletzt den Helmut-M.-Braem-Übersetzerpreis 2012.
Auf der Leipziger Buchmesse 2016 erklärte er sich zu einem kurzen Gespräch bereit und liefert in dem Interview einen kleinen Einblick in den Beruf des Literaturübersetzers.

Wie lange sind Sie schon Literaturübersetzer?
Seit 26 Jahren.

Wie sind Sie dazu gekommen?
Ich wollte schon immer Literaturübersetzer werden. Zunächst habe ich zwar Romanistik studiert und auch angefangen zu promovieren, habe mich dann aber doch umentschieden. Das Wichtigste dabei war mir, selbstständig zu sein.

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Qualitäten eines Übersetzers?
Talent natürlich, Leidenschaft und Neugier. Außerdem muss man offen sein für Neues, denn jedes Buch stellt eine neue Herausforderung dar und fordert eine andere Herangehensweise.

Was würden Sie Nachwuchsübersetzern raten, die einen Einstieg in den Beruf suchen?
Der Einstieg und einen Auftrag zu bekommen, ist das Schwerste. Man muss sich zunächst bekannt machen und dann auf Aufträge hoffen.
Es gibt allerdings große Unterschiede im Unterhaltungsbereich, je nach Sprache. Im Englischen ist es recht leicht reinzukommen, weil da viel produziert wird, bei kleineren Sprachen gibt es weniger Auswahl.

Was war für Sie persönlich Ihre anspruchsvollste Übersetzung bisher?
Von Juan Goytisolo, „Reise zum Vogel Simurgh“ (erschienen 2012 bei Suhrkamp). Ich wollte das Projekt zunächst gar nicht übernehmen, hab es dann aber doch gemacht, und das war sehr anstrengend.

Im Gegensatz dazu, was war Ihre Lieblingsübersetzung?
„Tante Julia und der Schreibkünstler“ von Mario Vargas Llosa (Suhrkamp 2011). Es handelt sich um eine Neuübersetzung und war einfach nur sehr witzig. Da konnte man sich als Übersetzer richtig schön austoben.

Gibt es ein Buch, das Sie selber gerne mal übersetzen würden? Eine Art Traumprojekt?
Das kann ich gerade gar nicht beantworten. Mein derzeitiges Projekt nimmt mich so in Anspruch, dass ich gar nicht dazu komme, irgendwas quer zu lesen.

Wie lange brauchen Sie denn ungefähr für ein Projekt?
Ich schaffe zurzeit allerhöchstens vier Seiten pro Tag. Das liegt allerdings auch daran, dass ich eher anspruchsvolle Literatur übersetze. Ein englischer Krimi würde wohl wesentlich schneller gehen.

Vielen Dank, Thomas Brovot, für das Gespräch und viel Spaß bei zukünftigen Projekten.

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