Buchmesse-Interview: Marvin Clifford

Text by Niklas.

Marvin Clifford ist ein deutscher Comiczeichner, besonders bekannt durch die World-of Warcraft-Parodie „Shakes & Fidget“ und seinen Webcomic „Schisslaweng“, die mittlerweile auch in gedruckter Form bei Panini erschienen sind. Auf der Buchmesse konnte ich dem Berliner Tausendsassa ein paar Minuten seiner wertvollen Zeit stehlen und ihm ein paar Fragen stellen.

Niklas: Zu Beginn darfst du eine Frage aus unserer Zufallsbox ziehen.
Marv (wühlt in der Box): „Was wolltest du als Kind werden?“ So diese üblichen Sachen, Feuerwehrmann oder Astronaut, waren eigentlich nie interessant für mich. Ich wollte eigentlich schon immer Comic-Zeichner werden.

Niklas: Schissla-was? Das ist ja meist so ziemlich die erste Frage, die sich ein neuer Anhänger deines Webcomics stellt. Hat dieses Wort irgendeinen realen Urpsrung?
Marv: Tatsächlich ist „Schisslaweng“ ein Mundart-Wort in Berlin und Nordrhein-Westfalen. Es kommt, glaube ich, ursprünglich aus dem französischen und bedeutet heute so etwas wie „seine Unterschrift setzen“. Man sagt oft: „Mach da doch mal noch deinen Schisslaweng drunter“. Ich war auf der Suche nach einem Titel für mein Webcomic-Tagebuch, und da Comicautoren ja ihre Werke immer mit einem Signum versehen, bot sich das für mich als Berliner an. Nebenbei lässt sich so etwas merkwürdiges gut merken.

Niklas: Wie bist du denn zu diesem wundervoll übertriebenen Zeichenstil gekommen? Die „klassische“ Comic-Schule z.B. in Frankreich und Belgien ist in ihrer Gestaltung ja oft eher farbarm und minimalistisch.
Marv: Ich bin mit Zeichentrickfilmen aufgewachsen, besonders den „Simpsons“. Der Slapstick-Humor dort hat mein Kopfkino sehr stark beeinflusst und tut es bis heute. Das hat sich dann auch schnell in meinen Zeichnungen wieder gespiegelt. Ich habe schon in der Schule ständig mit einem Kumpel solche Szenarien gekritzelt und dann auch meinen ersten Webcomic, „Shakes & Fidget“ in diesem Stil gezeichnet. Mittlerweile ist der mir quasi in Fleisch und Blut übergegangen.

Niklas: Wie würdest du die heutige Bedeutung der Webcomic-Szene als Sprungbrett für Newcomer beurteilen? Früher lief der Einstieg ja oft über einen Verlag, während heute viele junge Talente im Internet bekannt werden.
Marv: Es gibt hier immer zwei unterschiedliche Interessen: Der Verlag will in erster Linie verkaufen, während der Autor sein Buch im Laden sehen möchte, auch wenn es vielleicht kein großer Bestseller ist und es nur wenige Leute kaufen. Insofern ist das Internet ein sehr gutes Medium, um sich als Zeichner erst einmal auszuprobieren und die Webcomic-Szene wächst ja auch seit Jahren. Der Vorteil ist, dass man sich schnell mit der Community über die Inhalte abstimmen und einfach mit seinen Lesern in Kontakt treten kann. Das kann dann später bei der Bewerbung bei einem Verlag genutzt und die Reichweite im Web als Argument angebracht werden. Ein erfolgreicher Webcomic ist aber kein automatischer Verkausgarant, denn Webcomic-Leser sind oft andere als diejenigen, die dann tatsächlich auch ein Buch kaufen. Deutschland ist für Comics sowieso eher schwierig, denn ich denke, wir haben hier mehr ein Cartoon-Publikum. Im Gegensatz zum Cartoon hat ein Comic zwar mehr Platz, um einen Charakter zu entwickeln, aber meist bekommt hierzulande in der Öffentlichkeit nur ein ernstes Thema genügend Aufmerksamkeit, damit es sich für einen Verlag lohnt.

Niklas: Vielen Dank für das Gespräch.

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