Messe-Fieber III

Text by Niklas. 

Wenn Morgen endlich die Leipziger Buchmesse ihre Tore öffnet, gibt es einige Stolpersteine, über die der  geneigte Besucher fallen kann. Hier also das Überlebens-Tutorial für die mannigfaltigen Gefahren, die euch bei dem Highlight des Buch-Jahres bedrohen können.

  1. Wasser, Wasser!
    Kaum zu glauben, wie schnell eine 1,5-Liter-Flasche sich leeren kann. Ja, gerade die Büchermenschen unter uns können in Gesellschaft ihrer papiernen Lieblinge schnell die Zeit vergessen. Doch ab und zu muss auch der passionierteste Leser sein Körperinneres befeuchten, und findige Geschäftsleute haben diesen Ausrüstungsmangel schnell entdeckt und in bare Münze verwandelt. Im zehrenden Licht der Neonleuchten wankt ihr durstig durch die Hallen und entdeckt schließlich einen Verkaufsstand mit dem ersehnten Getränkenachschub. Doch oh weh, das Preisschild ist leider keine Fata Morgana. Ein Kaffee für drei Euro ist völlig üblich. Daher lieber eine Flasche zu viel mitnehmen als später überteuert nachkaufen, was ja auch ein schlimmer Anschlag auf euer Buchkauf-Budget wäre. All das gilt natürlich auch für jedwede feste Nahrung.
  2. VIP dank Online-Karten
    Wenn ihr lebendige Geschichte erfahren wollt, kauft erst vor Ort ein Ticket. Ihr werdet schon bald wissen, wie Oma sich damals gefühlt hat beim Anstehen für Bananen. Dieser Zeitverlust lässt sich dank den Wundern der modernen Technik mit Leichtigkeit vermeiden. Besorgt euch eure Eintrittskarte vorher online, dann könnt ihr sofort ins Messetreiben eintauchen. Der Eingangsbereich für Vorbesteller ist eigentlich nur Früh bei der Öffnung der Tore überlaufen.
  3. Ein nimmervoller Rucksack
    Spätestens nachdem ihr die fünfte Papiertüte in die Hand gedrückt bekommt, braucht ihr schon eine gewisse Shopping-Erfahrung, um all eure Neuerwerbungen (und die ganzen Flyer, die ihr sowieso nur wegwerft) noch einigermaßen souverän zu transportieren. Bringt euch einen großen Rucksack und mehrere Stoffbeutel von Zuhause mit oder besorgt williges Tragepersonal. Ich schreibe ausdrücklich Stoff: vielen Verlage genügt es, wenn die Reißfestigkeit ihrer Büchertüte bis zum nächsten Hallendurchgang reicht. Zusätzliche Tragetaschen könnt ihr unter anderem am Stand unserer Hochschule abstauben (Halle 5, Stand E510).
  4. Hilfe, wo seid ihr?
    Die Anordnung der Stände auf dem Messegelände folgt einem obskuren Zahlenmuster. In diesem Dschungel aus rechtwinkligen Gängen ausgerechnet den Aussteller zu finden, bei dem in fünf Minuten eine hochinteressante Lesung beginnt, erfordert einen herausragenden Orientierungssinn. Wer meint, dank seiner Pfadfinderausbildung auf seinen Instinkt vertrauen zu können, endet schnell als ausgedörrter Kadaver irgendwo im Niemandsland der Fachbuchhalle. Besorgt euch unbedingt einen Messekompass, der an den Informationen zum Mitnehmen bereit liegt. Sonst verbringt ihr die halbe Zeit eures Aufenthaltes nur mit den Versuchen, euren Weg im mit Menschen vollgestopften Bücherdschungel zu suchen. Wenn ihr als Gruppe unterwegs seid, vereinbart feste Treffpunkte und  –zeiten. Fragt ihr nämlich einen herumlaufenden Mitarbeiter nach Handy-Empfang, wird er sich nur mit einem traurigen Lächeln von euch abwenden.
  5. Nicht so hastig
    Das wichtigste von allen, was ihr auf die Messe mitbringen müsst, ist Geduld. Ja, dieser Durchgang hier ist jetzt wegen Überfüllung geschlossen. Nein, ihr müsst wirklich einen halbstündigen Umweg nehmen. Die Toilettenschlange konkurriert mit der vor dem Ticket-Schalter, vierzig auslandend gekleidete Cosplayer drängeln sich um den Merchandise-Stand und dieses spezielle Poster ist leider erst wieder morgen auf Lager. Wer noch nie in Tokio die Rush-Hour erlebt hat, kann sich hier einen kleinen Vorgeschmack holen. Ihr werdet auf der Messe sehr viel Zeit mit Warten verbringen, und es nützt nichts, sich darüber aufzuregen. Bringt genügend Stehvermögen mit und verliert anderswo nicht unnütz Zeit.

Mit diesen Tipps könnt ihr, trotz aller Fährnisse, tatsächlich eine Menge Spaß in diesem wundervollen Wahnsinn namens Buchmesse haben.

 

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