Carol

Text by Franzi.

Klappentext: Die Geschichte von Carol Aird – einer verheirateten, gesellschaftlich gutgestellten, reifen Frau und Mutter – und der neunzehnjährigen Therese Belivet, die verlobt ist, Bühnenbildnerin werden möchte und als Teilzeitverkäuferin arbeitet. Während Therese vom ersten Augenblick an von Carol fasziniert ist, hat Carol zuerst noch Skrupel, sich mit einer anderen Frau einzulassen. Als sie sich schließlich für Therese entscheidet, sieht sie sich vom Verlust ihres Kindes, ihres Zuhauses und ihrer finanziellen Versorgung bedroht.
Nie wieder schrieb die Autorin, die den Roman unter dem Eindruck einer persönlichen Begegnung begann, so sinnlich, so poetisch, so erotisch.

zum Autor: Patricia Highsmith (eigentlich Mary Patricia Plangman), geboren 1921 in Fort Worth/Texas, wuchs in Texas und New York auf, lebte aber auch lange Zeit in Europa. Sie studierte Literatur und Zoologie. Erste Kurzgeschichten schrieb sie bereits in der High-School und ihren ersten Lebensunterhalt verdiente sie als Comictexterin. Ihr erster Welterfolg war ihr Debütroman „Zwei Fremde im Zug“, welcher von Alfred Hitchcock verfilmt wurde. „Salz und sein Preis“, welches nach Angaben der Autorin autobiographische Züge haben soll, schrieb sie zuerst unter dem Pseudonym Claire Morgan. Highsmith starb 1995 in Locarno/Schweiz.

zum Werk: Salz und sein Preis bzw. Carol wird aus der Sicht der neunzehnjährigen Therese erzählt und spielt in den 50er/60er Jahren in New York. Thereses Traum ist es Bühnenbildnerin zu sein, doch müsste sie sich dafür erst in die Gewerkschaft einkaufen. Also arbeitet sie über die Weihnachtsfeiertage als Aushilfe in dem Kaufhaus „Frankenberg’s“. Jeder, der schon einmal als Aushilfe in einem Supermarkt gearbeitet hat, weiß, wie monoton diese Art Arbeit werden kann. Therese ist also nicht wirklich von ihrem Teilzeitjob begeistert. Verständlich.
Hier trifft sie Carol, die eine Puppe für ihre Tochter sucht. Therese bedient Carol und schreibt ihr nach dem Ganzen eine Weihnachtskarte. Weil man das so macht…anscheinend. Die Beiden kommen in Kontakt und verabreden sich regelmäßig.
Im Klappentext steht zwar, dass Therese verlobt und Carol verheiratet sei, doch das stimmt nicht so ganz. Wir erfahren, dass Therese mit einem gewissen Richard…naja…’zusammen‘ ist. Eigentlich rennt er ihr nur immer hinterher wie ein Hundewelpe und sagt ihr ständig, wie sehr er sie liebt, was sie jedoch nicht erwidert. Und Carol? Die ist gerade dabei, sich von ihrem Ehemann Harge scheiden zu lassen.
Die beiden Frauen tänzeln also für den gesamten ersten Teil des Romans um einander herum. Wenn man, wie ich, eher weniger Liebesromane liest, quält man sich durch die schrecklich blumigen und teils auch völlig unverständlichen Vergleiche, die Therese verwendet. Die Formulierungen sind, logischerweise, veraltet, was verständlich ist, denn der Roman ist ja schon etwas älter. Nicht zu entschuldigen ist jedoch, dass sich der erste Teil des Buches so extrem zieht und man das Buch schon fast wieder weglegen möchte.
In der Mitte des Buches machen Therese und Carol dann einen Roadtrip à la Thelma & Louise (nur ohne Thrillerelemente). Als sie sich dann endlich gegenseitig ihre Liebe gestehen, nimmt die Geschichte erst richtig Fahrt auf. Natürlich wird dann auch geküsst und mehr, was jedoch auf dem Klappentext als ‚erotisch‘ bezeichnet wird, würde ich nicht einmal als Softporno durchgehen lassen. Naja.
Leider hält das Glück der Beiden nicht lange an, denn Carol’s zukünftiger Ex-Ehemann lässt die beiden beschatten. Am Ende muss sich Carol zwischen Therese und dem Recht entscheiden, ihre Tochter nach der Scheidung sehen zu dürfen.
Positiv überrascht war ich von dem hoffnungsvollen Ende des Romans, denn zu der Zeit, in der das Buch entstand, war es üblich, eine Geschichte über homosexuelle Beziehungen entweder damit zu beenden, dass sich der Hauptcharakter auf seine Heterosexualität besinnt, oder stirbt.

Mein Gesamteindruck zu Salz und sein Preis bzw. Carol lässt sich wie folgt zusammenfassen: Ich bin keine Romanzenleserin, also war es anfangs schwierig für mich in dieses Buch hineinzufinden. Wie bereits gesagt, ist der erste Teil des Buches extrem langatmig und ich musste mich wirklich durchkämpfen. Zum Ende hin wurde die Geschichte aber wirklich spannend und ich musste wissen, wie es mit Carol und Therese ausgeht. Leider ist mir Therese als Hauptcharakter total unsympathisch. Sie ist mir als Person zu theatralisch und kann sich überhaupt nicht in andere Leute hineinversetzen. Viel besser konnte ich mich da in Carol hineinfühlen, was vielleicht daran liegen könnte, dass sie die Ältere und damit auch Reifere von beiden ist.

Wer sich also von übertrieben poetischen Ausdrücken weniger abschrecken lässt als ich und gerne eine Liebesgeschichte über zwei Frauen lesen möchte, welche fast ein Happy End hat, dem kann ich Salz und sein Preis bzw. Carol nur wärmstens empfehlen.

Titel/Autor: Salz und sein Preis oder Carol (Original: The Price of Salt / Carol) von Patricia Highsmith
Verlag/Jahr/ISBN: Schweizer Diogenes Verlag (Original: Coward-McCann), 1990 (Original: 1952), 978-3-257-24324-6

Nominierungen Oscar 2016: Beste Hauptdarstellerin (Cate Blanchett), Beste Nebendarstellerin (Rooney Mara), Bestes adaptiertes Drehbuch, Beste Kamera, Bestes Kostümdesign, Beste Filmmusik

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