Das dänische Mädchen

Text by Reni.

Klappentext: Kopenhagen 1925: Der dänische Landschaftsmaler Einar Wegener führt mit seiner Frau Greta, die ebenfalls Malerin ist, ein bewegtes Künstlerleben und eine glückliche Ehe. Doch alles ändert sich, als Greta ihren Mann bittet, in Frauenkleidern für sie Modell zu stehen. Denn von diesem Tag an wird Einars Leben nie mehr so sein wie zuvor. Und Greta sieht sich vor die Frage gestellt: Was tun, wenn der Mensch, den man liebt, plötzlich ein ganz anderer ist? (Ausgabe: 1. Auflage Sonderausgabe Januar 2016 – Goldmann Verlag)

zum Autor: David Ebershoff stammt aus Pasadena in Kalifornien und begann seine berufliche Laufbahn mit einem Praktikum bei Random House, bevor er ein Jahr später Vollzeit bei Modern Library (Verlag) arbeitet. Heute arbeitet er als Vice President und Executive Editor bei Random House in New York und unterrichtet nebenbei Kreatives Schreiben an der NYU, Princeton und Columbia University. „Das dänische Mädchen“ ist sein Debütroman gewesen, welcher 2015 in der Regie von Tom Hooper verfilmt wurde (Hauptrollen: Eddie Redmayne & Alicia Vikander).

zum Werk: Die Handlung von Ebershoffs Roman „Das dänische Mädchen“ ist lose an das wahre Leben von Gerda Wegener und Einar Wegener/Lili Elbe angelehnt. Lili Wegener gilt als eine der ersten Intersexuellen, die sich einer geschlechtsangleichenden Operation unterzogen hatte. Quellen für das Buch waren dabei Interviews mit Lili von 1931, sowie Nachrufe und Artikel über sie und Lili Briefe und Tagebücher. Ebershoff benannte dabei einige reale Personen um und erschuf ihnen eine neue Hintergrundgeschichte (zB. Greta – die im wahren Leben Gerda hieß und geborene Dänin war), oder fügte mehrere Personen zu einer Figur zusammen (zB. Professor Bolk –  real: Prof. Warnekros aus Dresden und Prof. Hirschfeld aus Berlin). Andere Figuren sind frei erfunden, sowie der Großteil der Handlung – wer also eine Biografie über Lili Elbe lesen will, ist mit diesem Buch falsch bedient. Allen, die gerne historische Romane lesen, erwartet ein 380 Seiten dickes spannendes Buch, dessen Handlung vollkommen fiktiv ist.

Das Werk ist in vier Teile unterteilt: Kopenhagen 1925 (Kapitel 1-12), Paris 1929 (Kapitel 13-18), Dresden 1930 (Kapitel 19-23) und Kopenhagen 1931 (Kapitel 24-29). Die Teile markieren gleichzeitig auch die wichtigsten Lebensorte des Paares. Die Handlung wird dabei abwechselnd von Einar/Lili und Greta in der 3. Person erzählt, wobei immer wieder Rückblenden zu deren jeweiliger Vergangenheit eingestreut werden. Das man durch diesen Stil sich in beide Hautpersonen einfühlen kann und dabei sowohl ihre Beweggründe als auch ihre Entscheidungen nachvollziehen kann, fand ich toll und faszinierend, denn so ermöglicht der Autor uns Lesern einen tiefen Einblick in beide Persönlichkeiten. Das kommt auch anderen Figuren im Buch zu gute, da man oft Beschreibungen der jeweiligen aus zwei Perspektiven erhält, die ein tieferes Gesamtbild des jeweiligen Charakters ermöglichen. Durch diese Zweigleisigkeit wurde für mich der Roman auch nicht langweilig, sondernd bot immer die richtige Mischung aus interessanten und spannenden Momenten.

Besonders beeindruckt hat mich Greta, die eine unglaubliche Kraft im Laufe der Handlung an den Tag legt, die ich nur bewundern konnte. Ihre Liebe und ihr Mut, sowie die Toleranz gegenüber ihrem Mann wird auf eine harte Probe gestellt, denn Einar als Lili verliebt sich in Männer und testet dabei auch ihre neu entdeckte Weiblichkeit aus. Auch ist es für Greta so, als lebe sie mit zwei Personen zusammen, da Einar sich kaum an das zu erinnern scheint, was Lili erlebt, und umgekehrt. Das Greta ihn trotzdem unterstützt und ihm hilft, sich selbst zu finden ohne ihn abzuwerten (Intersexualität war damals nicht anerkannt und wurde verfolgt), zeugt für mich von wahrer Größe.

Unterschiede zum Film: Wie in jeder Buchverfilmung wurde natürlich auch bei dieser einiges ausgelassen. Die zwei Änderungen, die ich am gravierendsten fand, wollte ich hier erwähnen. Einmal wurde Carlisle Waud, Gretas Zwillingsbruder, ganz aus dem Film gestrichen, der sich im Buch sowohl für Greta als auch Lili/Einar im Laufe der Handlung zu einer wichtigen Vertrauensperson entwickelt. Außerdem wurde die Liebesgeschichte zwischen Greta und Hans umgeschrieben, die für hoffnungslose Romantiker wie mich wirklich schön war, im Film zwar angerissen, aber dann nicht weitergeführt wird.

Nichtsdestotrotz kann ich sowohl das Buch als auch den Film nur allen weiterempfehlen.

Titel/Autor: Das dänische Mädchen (Original: The Danish Girl) von David Ebershoff
Verlag/Jahr/ISBN: Goldmann Verlag, 2002 (Original 2000), 978-3-442-47279-6

Nominierungen Oscar 2016: Bester Hautdarsteller (Eddie Redmayne), Beste Nebendarstellerin (Alicia Vikander), Bestes Szenenbild, Bestes Kostümdesign

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